Wirtschaft : Editorials: Europa vor der nächsten Aufgabe

Aus dem Wall Street Journal. Übersetzt,ge

Der Euro ist unter Dach und Fach. Beim wichtigsten Projekt dieses Jahrzehnts ist die europäische Union leider noch nicht annähernd so weit: dem Beitritt von bis zu 13 neuen Mitgliedsstaaten zur EU.

Dabei hat sich die Gemeinschaft dazu verpflichtet, noch 2002 die Beitrittsverhandlungen mit den zehn wichtigsten Kandidaten abzuschließen. Der Beitritt selbst soll bis 2004 erfolgen. Die EU-Staaten müssen bis Ende Juni festlegen, wie sie die Strukturhilfe der EU mit den ärmeren Ost-Ländern teilen wollen. Der zweite Punkt wird noch schwieriger: das Budget für die Landwirtschaft, 44 Milliarden Euro. Dabei werden die härtesten Verhandlungen zwischen den aktuellen EU-Mitgliedern geführt werden.

Spanien, das gerade die sechsmonatige EU-Präsidentschaft angetreten hat, drohte bereits im vergangenen Jahr mit einer Blockade. Man hatte Angst, dass Gelder für neue Straßen und Schulen gekürzt würden. Schließlich zwang Deutschland, der unerschütterlichste Verfechter der Erweiterung, Madrid zum Nachgeben. Beim Kampf um Landwirtschafts-Gelder wird es "blutiger" zugehen, denn hier heißt der Gegner Frankreich. Dieses Land profitiert am meisten von der gemeinsamen Agrarpolitik der EU.

Doch bei den französischen Bedenken geht es nicht nur um das Geld für die Bauern. Der Beitritt osteuropäischer Länder wird die Machtverhältnisse - wirtschaftlich, politisch und sogar kulturell - zu Gunsten Deutschlands verschieben. Englisch wird immer mehr zur lingua franca der EU und die neuen Mitglieder sind generell begeistert vom freien Markt und den USA. Kein Wunder, dass Frankreich das einzige EU-Land ist, in dem die Mehrheit der Bürger die Osterweiterung ablehnt.

In der EU insgesamt stehen 51 Prozent der Bürger hinter der Erweiterung. Und warum auch nicht? Die EU hat 67 Milliarden Euro bereit gestellt, um die Kandidaten bis zum Jahr 2006 für die Mitgliedschaft fit zu machen. Das ist ein Tausendstel des jährlichen Bruttoinlandsprodukts der EU, ein Zehntel dessen, was Deutschland für die Wiedervereinigung aufgewendet hat. Dafür würde die EU 150 Millionen Verbraucher und ein Drittel an Territorium dazugewinnen. In der Tat: ein historischer Prozess, der ab sofort kraftvoll vorangetrieben werden muss.

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