Wirtschaft : Editorials: Neue Chance für den Freihandel

Aus dem Wall Street Journal. Übersetzt,ge

Am Ende der Marathonverhandlung in Doha einigten sich die 142 Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation (WTO) schließlich doch auf eine neue Welthandelsrunde. Selbst Indiens Widerstand konnte nach vielen Kompromissen und Zugeständnissen gebrochen werden. Egal wie man die Konferenz nun bewertet, eines ist deutlich geworden: Die Entwicklungsländer werden eine zunehmend gewichtige Rolle in der Handelsrunde spielen. Es wird nicht einfach, die Balance zwischen den Interessen der reichsten und der ärmsten der Welt zu finden. Auch wenn es dem Freihandel letzten Endes zugute kommen könnte.

Natürlich gibt es zuvor einiges zu klären. Indien fordert die Lockerung der Patentrechte der großen Pharmakonzerne, die bekanntlich Millionen in die Entwicklung neuer Medikamente investieren. Der Anreiz für diese Forschungsarbeit würde damit geschmälert. Leidtragende sind die Kranken. Dagegen wäre es wünschenswert, würden Indien und seine Verbündeten den neuentdeckten Einfluss in anderen Bereichen geltend machen. Beispielsweise sollten sie den Vorstellungen der reichen Protektionisten entgegenwirken, dem Rest der Welt strikte Umwelt- und Arbeitsstandards aufzuzwingen. Der indische Handelsminister Murasoli Maran besteht zu Recht auf einer schnellen Abschaffung der Textilimportkontingente und dem Abbau der Agrarsubventionen.

Die Differenzen zwischen den reichen und armen Nationen und auch die gewaltsamen Proteste jener westlichen Mittelständler - die den Armen der Welt zu helfen meinen, indem sie die produktiven Kräfte des Kapitalismus blockieren, die tatsächlich die größte Hoffnung für Entwicklungsländer darstellen - torpedierten 1999 die Bemühungen für eine neue Runde in Seattle. Das wurde bereinigt. Wenn auch die letzten Unstimmigkeiten beseitigt wurden, erscheint Marans harter Verhandlungsstil im Nachhinein wie ein Weckruf an die Industriestaaten, dass auf dem Weg zum Freihandel von nun an wesentlich mehr Länder ein Mitspracherecht fordern werden. Die Verhandlungen werden dadurch sicher härter. Aber ein positiver Effekt mag sein, dass die Menschen in den Entwicklungsländern verstehen, dass der Handel Wohlstand für jeden schafft, nicht nur für wenige Glückliche.

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