Wirtschaft : Editorials: Welternährungsgipfel in Afrika

Übersetzt,gekürzt von Birte Heitmann

Angesichts der Krawalle in Genua trägt sich Italiens Premierminister Silvio Berlusconi nun mit der Absicht, den bevorstehenden Welternährungsgipfel zu verlegen, und zwar von Rom nach Afrika. Da in den letzten 16 Jahrhunderten kein Landstrich Afrikas römisches Territorium gewesen ist, könnte man daraus schließen, dass Berlusconi die Anarchisten an egal welchen Staatschef abschieben will, der dann die Schuld zugeschoben bekommt, wenn die Vermummten wieder Fensterscheiben einwerfen.

Ohne Frage teilen viele Italiener die Meinung ihres Premiers. Sie haben von den Vandalen die Nase voll, die ihre Städte plündern. Die alten Barbaren haben auf ihrer Jagd nach Schätzen gewütet. Ihre Nachkömmlinge dagegen zerstören zum reinen Vergnügen. Den Italienern bleiben Schäden in Millionenhöhe, ganz zu schweigen vom geschändeten Ruf der italienischen Polizei und der Regierung. Außerdem sind da noch die Opfer: ein Toter, 300 Verletzte.

Einmal Zeuge dieses Spektakels, erscheint es durchaus verständlich, dass die Italiener auf eine Wiederholung verzichten können - insbesondere in Rom. Nur die italienische Linke ist empört. "Von Rom abzurücken käme einem Geständnis gleich, dass Gipfel dieser Art nicht im Westen gehalten werden können", sagte Roms Bürgermeister Walter Veltroni dem Wall Street Journal Europe. Während wir die Ironie der netten Worten eines linken Politikers für die westliche Zivilisation genießen, geben wir uns hinsichtlich seiner Motive keinen Illusionen hin. Ohne Frage fiebert Veltroni der Schirmherrschaft eines solchen UN-Gipfels und all seinen Annehmlichkeiten entgegen. Außerdem weiß er sehr wohl, dass die zusätzlichen Kosten für Sicherheit und Aufräumarbeiten der nationalen Regierung aufgehalst werden können. Wenn die Randalierer Roms Monumente demolieren, bekommt der Premierminister und nicht der Bürgermeister die Schuld zugeschoben. Wird also der Antrag des Premiers auf Verlegung des Gipfels abgewiesen, hat Roms Bürgermeister seine politische Revanche. Trotzdem hat das zu Grunde liegende Argument seine Berechtigung: Die Verlegung des Welternährungsgipfels bedeutet klein beizugeben.

Im Umgang mit den Demonstranten kommt es nicht darauf an, ihnen ein Ziel wie Rom zu verwehren, sondern die Bemühungen der Polizei auf den gewalttätigen Teil der Globalisierungsgegner zu konzentrieren. Gesetzestreue und friedlich Demonstranten verdienen es, in einer demokratischen Gesellschaft mit Respekt behandelt zu werden. Den Tagungsort in ein nicht-demokratisches Land zu verlegen, in dem gewaltlose Andersdenkende selten fair behandelt werden, ist keine Lösung. Dennoch sollte die Welternährungsorganisation bei Berlusconi wegen seines Antrags einhaken. Schließlich könnte ein Welternährungsgipfel in Afrika, wo Hungersnot grausame alltägliche Wirklichkeit ist, gleichermaßen lehrreich für Bürokraten und Demonstranten werden. Sollen sie die Arbeitslosen treffen, deren einzige Hoffnung auf Arbeit in den Investitionen multinationaler Unternehmen in ihre Gegend liegt. Oder sollen sie die Felder besichtigen, deren genmanipulierte Saaten Vitamin A Mangelkrankheiten wie Erblindung heilen. Auch sollten sie mit den Kaffeeanbauern reden, deren Auskommen von den international offenen Märkten abhängt.

Berlusconis Antrag auf Verlegung des Tagungsorts mag der Angst vor erneuten Krawallen entsprungen sein, aber die Unterstützung dafür rührt aus Hoffnung nach Änderungen. Man sollte den Demonstranten nicht nachgeben, man sollte sie besser belehren.

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