Wirtschaft : Eduscho auch unter Tchibo-Dach mit Verlust

Sanierung braucht mehr Zeit / 300 Stellen abgebaut / Weitere 250 sollen noch wegfallen

BREMEN.(hik/HB).Die Hamburger Kaffeeröster, die Tchibo Holding AG hat mit der Eduscho GmbH, Bremen, zu Jahresbeginn nach heutiger Einschätzung einen "klassischen Sanierungsfall" übernommen."Die wirtschaftlichen Probleme waren viel größer als innerhalb und außerhalb des Unternehmens bekannt war", sagte Tchibo Holding-Vorstand Wilfried Boysen anläßlich einer ersten Bilanz.Die "operativen Mängel" seien schwerwiegender "als wir es uns vorstellen konnten".Zwar verfüge die Bremer Firma über starke Marken und hohes Kundenvertrauen.Die Analyse habe jedoch ergeben, "daß Eduscho nicht mehr in der Lage war, den Anforderungen des Wettbewerbs kurz- und mittelfristig aus eigener Kraft gerecht zu werden."Wenn wir es nicht aufgefangen hätten", so Boysen, "würde es das Unternehmen heute nicht mehr geben." Deshalb brauche die Sanierung "mehr Zeit und größere Anstrengungen" als vor sechs Monaten gedacht. Ein ausgeglichenes Ergebnis sei nicht wie erhofft 1998, sondern allenfalls 1999 realistisch.In diesem Jahr werde die neue Tochter trotz gestiegener Kaffeepreise voraussichtlich wie 1996 rund 2,3 Mrd.DM erlösen und 100 Mill.DM Verlust machen.Die Tchibo-Gruppe könne die Belastung des Eduscho "besenrein" machenden Fehlbetrags kompensieren.Die Zahl der Eduscho-Beschäftigten werde durch einen Abbau absehbar nochmals um 250 auf knapp 5000 sinken.Die im nächsten Frühjahr anstehende Schließung der Berliner Rösterei ziele auf optimale Nutzung der Röstkapazitäten in Bremen und Wien (Eduscho) sowie in Hamburg und Berlin (Tchibo).Die neue Kaffeestrategie setze auf Stärkung und Ausbau der Spitzenmarke (Gala), die schon heute wesentlich zum Eduscho-Marktanteil von 11,3 Prozent (Absatz) bzw.12,9 Prozent (Wert) beitrage.Die Vergleichswerte der Schwesterfirma Tchibo GmbH, die 1996 mit 6200 Arbeitnehmern 3,2 Mrd.DM umsetzte und 98 Mill.DM Gewinn erzielte, bezifferte Boysen auf 20,2 und 23,2 Prozent.Wesentlich zugkräftiger müsse das Bremer Non-Food-Geschäft werden, das wegen zu unprofessioneller Erstverteilung der Waren erhebliche Restantenprobleme habe und deshalb sehr verlustreich arbeite.Da Eduscho eine vergleichbare Leistungsstärke im Gebrauchsgüter-Einkauf erst in mehreren Jahren erreicht hätte, sei diese Aufgabe ebenso Tchibo übertragen worden wie die Entwicklung eines gemeinsamen Versandkonzeptes.Die Disposition erfolge künftig in Hamburg, die nicht an Fremdfirmen vergebene Versandabwicklung in Bremen. Das Non-Food-Sortiment der Schwesterfirmen solle wie das Erscheinungsbild der Filialen zielgruppenorientiert differenziert bleiben.Dabei soll Tchibo offenbar ein eher jung-modernes, Eduscho ein stärker traditionelles Image erhalten. Da sich etwa die Hälfte des Gebrauchsgüter-Angebots schon bislang nur in Details unterschieden habe, könnten dennoch Mengenvorteile genutzt werden.Um Synergien zu nutzen, sollten wie bei Tchibo auch bei Eduscho die Versand- und stationären Sortimente synchronisiert werden.Bis Ende 1997 sollten 30 Mill.DM in ein Optimierungsprogramm zur Rentabilitätsverbesserung von zunächst 380 der 600 Filialen fließen.Erste Erfolge seien spürbar.Ein neuer Filialtyp, der bis Jahresende an 14 Standorten entstehen solle, habe auf Anhieb bis zu 20 Prozent Umsatzplus erreicht.In den 17 000 Eduscho-Depots solle die Warenpräsentation attraktiver und das Non-Food-Geschäft verstärkt werden.Das nach Angaben Boysens bei Eduscho und Tchibo erfreuliche Geschäft mit Gastronomie und Großverbrauchern soll weitergeführt werden.Im Ausland sollen die Aktivitäten vereinheitlicht werden.

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