Wirtschaft : Edzard Reuter verläßt Airbus als Aufsichtsratschef

Abgang offensichtlich nicht ganz freiwillig / Umbau kommt nur langsam voran

MÜNCHEN (tmh).Einer der großen deutschen Top-Manager steht nun auch offiziell vor dem wohl nicht ganz freiwilligen Ende seiner Karriere.Der frühere Daimler-Chef Edzard Reuter beabsichtige, "spätestens Anfang 1998" seinen Aufsichtsratsvorsitz bei Airbus Industrie vorzeitig niederzulegen, teilten die Airbus-Partner Aerospatiale (Frankreich), British Aerospace, Casa (Spanien) und die deutsche Dasa am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit.Überschrieben war diese Erklärung mit "Fortschritte bei der Airbus-Restrukturierung". Zwar ist darin auch vom Bekenntnis die Rede, aus dem Airbus-Konsortium Anfang 1999 definitiv eine Kapitalgesellschaft zu machen.Dennoch wird durch die Überschrift zum Ausdruck gebracht, daß auch der Schritt Reuters als Fortschritt für die Airbus- Zukunft gesehen wird."Er hat gespürt, daß er zunehmend machtlos war und nichts mehr bewegen konnte," sagt ein Insider über Reuters Beweggründe für seinen angekündigten Rückzug, mit dem er sein letztes Industrie-Spitzenamt aufgibt.Wenn die Spitzen der vier Airbus-Partner über die anstehende Restrukurierung des Konsortiums beraten haben, hätten sie das zuletzt ohne ihren Aufsichtsratschef getan, beschreiben Kenner der Szene das zerrüttete Verhältnis zum zunehmend isolierten Reuter. In solch einer Situation sei es sehr ehrenhaft, Konsequenzen zu ziehen und nicht an einer formellen Funktion festzuhalten, kommentierten Insider den Rücktritt.Niemand habe Reuter allerdings dazu aufgefordert.Wenn die Verhältnisse im und um den Airbus-Aufsichtsrat treffend beschrieben sind, bedurfte es einer solchen Aufforderung verbal auch nicht mehr.Wenn die anderen Manager sich ohne Reuter trafen, hatte die Abstimmung über ihn längst mit den Füßen stattgefunden.Beschrieben wird die Abkehr vom einstigen Spitzenmanager Deutschlands als eine schrittweise.Angetreten hatte der heute 69jährige sein Airbus-Amt 1994 noch als Daimler-Konzernchef.Damit sei die Hoffnung verbunden gewesen, Reuter werde über seine Daimler-Beziehungen eine Art internationalen Türöffner für den Airbus spielen.Mit Reuters Scheitern bei Daimler, endeten 1995 auch diese Hoffnungen.Reuter habe schon damals bei Airbus "an Gewicht verloren".Zum anderen sei Reuter nie "ein Frühstücksdirektor" gewesen, heißt es in seinem Umfeld. Gewohnt, eigenständige und nicht immer leicht vermittelbare Entscheidungen zu treffen, habe er es in der "sensiblen Konstruktion" des Airbus-Konsortiums nie ganz einfach gehabt, sagen einige.Er habe geschickte Moderation und Diplomatie vermissen lassen, nennen es andere härter.Das gelte auch für die eigene, deutsche Seite, was erklärt, warum sich bei der Dasa das Bedauern über Reuters Schritt in engen Grenzen hält.Reuters Scheitern beim Airbus scheint ein persönliches zu sein. In der Sache wandelt das europäische Flugzeugprojekt zumindest derzeit auf den Spuren von Reuters Vorstellungen.Wiederholt beklagte er in der Vergangenheit die schleppenden Fortschritte beim Umbau des Airbus-Konsortiums.Nun ist die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft, vermutlich eine AG französischen Rechts, auf Anfang 1999 festgelegt.Es sei auch ein Verdienst Reuters, daß die von Anfang an ehrgeizigen Zeitpläne vermutlich eingehalten und eher noch gestrafft werden können, heißt es bei der Dasa.Die vier Partner hätten sich ferner darauf geeinigt, in den wichtigen Spitzenämtern an der bisherigen nationalen Rollenverteilung festzuhalten.Das heißt, daß der künftige Airbus-Aufsichtsratschef erneut Deutscher sein wird und zwar aller Voraussicht nach Dasa-Chef Manfred Bischoff.Das Amt des Airbus-Vorstandschefs bliebe damit fest in französischer Hand.Beide Positionen werden Anfang 1998 neu besetzt.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben