Wirtschaft : Effektengesellschaft AG: Die Berliner Gesellschaft strebt Verbindung ins Ausland an

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Die Berliner Effektengesellschaft AG (BEG) musste im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres zwar einen signifikanten Rückgang bei den Erträge hinnehmen, doch "unsere Gesellschaft hat von ihrer Tatkraft und ihren Visionen nichts eingebüßt", sagte der Sprecher des Vorstandes Holger Timm am Dienstag auf der Hauptversammlung in Berlin. "Der Wettbewerb ist härter geworden, aber ihre Gesellschaft ist gut positioniert", ergänzte Timms Kollege als Sprecher, Jörg Franke. So ging der Jahresüberschuss im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um 96,7 Prozent auf 642 000 Euro zurück.

Nachdrücklich verteidigte Timm noch einmal die Mehrheitsübernahme durch die Consors Discount-Broker AG (53 Prozent), die sich gerade in der gegenwärtigen Marktlage als richtig erweise. Ohne vertikale Integration habe die BEG keine Überlebenschance. Allderdings, so schränkte Timm ein, sei die vertikale Integration und die Verlängerung der Wertschöpfungskette noch nicht im vollen Umfang gelungen. Im Klartext: Die Kunden von Consors nehmen die Dienste der Berliner Effektengesellschaft noch nicht in dem gewünschten Maße in Anspruch. Neben der Verbindung zu Consors strebe man auch eine solche ins Ausland an, sagte Timm. Den Rückgang der Erlöse führe Timm nur zu etwa 20 Prozent auf Einbußen bei der Maklercourtage zurück. Hier machten sich die Kursrückgänge an der Nasdaq und am Neuen Markt bemerkbar. Viel schmerzlicher mache sich aber der Rückgang der Erlöse bei den sogenannten Trades (einzelne Handelsgeschäfte an der Börse) und der Rückgang der Erträge als Market Maker bemerkbar. Während man bei hoher Liquidität und guten Umsätzen an den Märkten pro Trade bis zu 15 Euro erlösen könne, sinke dieser Betrag bei geringer Liquidität drastisch. Im Februar und März diesen Jahres musste BEG in diesem Bereich sogar rote Zahlen hinnehmen.

Das Geschäft als Market Maker soll dennoch ausgebaut werden. Dieser Bereich solle in Zukunft wieder der absolute Schwerpunkt sein. Dies gilt auch für das Elektronische Handelssystem (Electronic Communication Network) Trade Gate. Auch hier mache sich die Zugehörigkeit zum Consors-Konzern positiv bemerkbar. Consors liefere den Order-flow. Ausgebaut werden soll auch das Venture-Capital-Geschäft. Aus diesem Grunde ist die Berliner Effektenbeteiligungsgesellschaft mit der im Freiverkehr notierten Cybermind verschmolzen worden und wird künftig als Ventegis Capital AG firmieren.

Bei einer Präsenz von knapp über 80 Prozent billigte die Hauptversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 0,6 (Vorjahr 1,38) Euro. Timm hatte zuvor die Dividendensenkung gerechtfertig, und deutlich gemacht, dass in Zukunft keinesfalls auf Investitionen zu Gunsten eines besseren Ergebnisses verzichtet werden könne. Die Gesellschaft werde sich aber nach wie vor bemühen, so aktionärsfreundlich wie möglich zu sein. Die Versammlung beschloss ferner, dem Vorstand den Rückkauf eigener Aktien zu ermöglichen. "Doch wir werden mit dem Rückkauf keine Kurspflege betreiben", so Timms Einschränkung. Ob die Aktien als Akquisitionswährung für Übernahmen verwendet werden sollen, ließ er offen. Trotz des relativ geringen Streubesitzes von nur noch 22 Prozent (Timm hält 24,98 Prozent) bestünden keine Pläne, die Notiz der Aktie an der Börse einzustellen.

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