Wirtschaft : Effiziente Lösungen für Lieferanten und Produzenten

HELMUT BAUMGARTEN

Globalisierung und Deregulierung der Märkte führen zu ständigen Veränderungen der Umwelt- und Wettbewerbssituation für Unternehmen.In vielen Bereichen der Wirtschaft werden Wertschöpfungsketten aufgelöst und neu gestaltet.Nur Unternehmen, die diese Veränderungen als Chance nutzen, werden langfristig erfolgreich am Markt agieren können.Weltweite Logistiknetze schaffen flexible und effiziente Unternehmensstrukturen.Sie stellen die Verbindung zu den Beschaffungs- und Distributionsmärkten dar und verknüpfen die Produktionsstandorte untereinander.

Die Partner in einem Netz können sich auf den Teil der Wertschöpfung konzentrieren, in dem sie deutliche Kosten- und Leistungsvorsprünge vor den Wettbewerben aufweisen.Unternehmen, die in Netzen arbeiten, sind in der Lage, zeitnah und flexibel am Markt zu agieren, da Netze schnell auf-, um- und abgebaut werden können.

Durch ein leistungsfähiges logistisches Netzmanagement lassen sich Logistikkostensenkungen um bis zu 40 Prozent realisieren.Die Potentiale des Netzmanagements liegen in allen Bereichen der logistischen Kette.

Ein Beispiel für die Leistungsfähigkeit des Netzmanagements ist die Produktion des Motors für das Smart-Auto.Es handelt sich um einen Dreizylinder Reihenmotor, der hohe Leistungsfähigkeit mit geringem Platzbedarf kombiniert.Das Daimler-Benz-Werk in Berlin hat in einem weltweiten Wettbewerb den Auftrag erhalten, diesen Motor zu entwickeln und zu produzieren.

Die Neukonzeption der Logistik, die gemeinsam mit dem Zentrum für Logistik und Unternehmensplanung GmbH, Berlin, entwickelt wurden, war ein wesentlicher Punkt mit dem sich das Werk gegen andere Anbieter durchsetzen konnte.Wichtige Elemente dieses Logistikkonzeptes sind die geringe Wertschöpfungstiefe und die weltweite Einbindung der Lieferanten.

An der gesamten Wertschöpfung des Motors ist das Werk in Berlin nur zu etwa zehn Prozent beteiligt.Nahezu neunzig Prozent der Wertschöpfung werden von Lieferanten auf der ganzen Welt erbracht.Dieser hohe Outsourcing-Anteil steigert die Flexibilität und schafft eine wettbewerbsfähige Kostenposition.Die Logistik verknüpft die Lieferanten in einem leistungsfähigen Netz.

Jährlich werden in dem Werk Marienfelde etwa 200 000 Motoren hergestellt.Dieses Auftragsvolumen sichert 300 Arbeitsplätze in dem Berliner Werk.Um diesen hohen Durchsatz bei dem vorgegebenen Kostenrahmen mit hoher Qualität produzieren zu können, greifen die herkömmlichen Konzepte der Lieferanteneinbindung nicht mehr.Aus diesem Grund verfolgt das Werk Marienfelde das Konzept des Netzmanagements mit einer Anbindung von Systemlieferanten, die in weitgehender Autonomie vollständige Baugruppen herstellen und an das Werk liefern.Von den 120 Teilen, die den Motor am Ende ausmachen, werden etwa zehn von Systemlieferanten zur Verfügung gestellt, die selbst wieder etwa fünfzig Sublieferanten einbinden und steuern.Weitere sechzig Lieferanten stehen in direkter Lieferbeziehung mit dem Werk Marienfelde.Der Hersteller koordiniert und steuert gemeinsam mit den Systemlieferanten die gesamte Logistik im Netz.

Informations- und Kommunikationssysteme spielen eine Schlüsselrolle bei dem Aufbau und Betrieb globaler Netze.Die Fähigkeit, wichtige Informationen über Nachfrageveränderungen, Produktlebenszyklen und Konsumentenverhalten gezielt zu sammeln, aufzubereiten und als Grundlage für strategische Entscheidungen zu nutzen, entwickelt sich zu einer notwendigen Voraussetzung im globalen Wettbewerb.

Die schrittweise Ergänzung bestehender Informations- und Kommunikationslösungen um fortschrittliche Planungs- und Optimierungsverfahren ermöglicht die gezielte Planung, Überwachung und Steuerung der Material- und Informationsflüsse.Diese Werkzeuge ermöglichen es dem Anwender, interaktiv Optimierungen durchzuführen und deren Auswirkungen unmittelbar zu analysieren.

Das globale Netzmanagement schafft neue Chancen und Herausforderungen für die Logistik.Logistik muß neu gedacht werden.Gewinner im Ringen um eine erfolgreiche Zukunft werden die Unternehmen sein, die auf kurzfristige Veränderungen auf den Märkten schneller und flexibler als ihre Wettbewerber reagieren können.Die Unternehmen stehen vor der Herausforderung, schnelle und flexible Strukturen zu schaffen.Die Logistik stellt ein sehr wirksames Instrumentarium bereit, diese Strukturen zu implementieren und damit langfristige Wettbewerbsvorsprünge sicherzustellen.Natürlich beinhalten diese komplexen Netze auch Risiken durch Währungsschwankungen, politische Instabilitäten und wirtschaftliche Krisen wie derzeit in Asien, Osteuropa und Südamerika.

Auf dem 15.Deutschen Logistik-Kongreß vom 21.bis 23.Oktober in Berlin werden unter dem Leitthema "Europa vernetzen" Methoden und Instrumente zur Netzwerkbildung diskutiert, mit denen sich diese Komplexität in den Unternehmen wirksam beherrschen läßt.Über 1500 Manager und Wissenschaftler tauschen auf dem ausgebuchten Kongreß Erfahrungen über effiziente Logistiksysteme und -lösungen für eine globale Vernetzung von Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen aus und entwickeln neue Konzepte für die Logistik von morgen.Der international ausgerichtete Kongreß ist damit das Jahrestreffen der europäischen Logistiker und unterstreicht die Bedeutung Berlins als einen herausragenden Logistik-Standort in Europa.

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