Wirtschaft : Ehec wirft den Einzelhandel zurück

Größter Umsatzeinbruch seit Jahren: Verwirrung um Darmkeim verunsichert die Verbraucher

Keim des Übels. Fünf Millionen Euro Verlust wollen die deutschen Bauern wegen Ehec gemacht haben – pro Tag. Foto: dpa
Keim des Übels. Fünf Millionen Euro Verlust wollen die deutschen Bauern wegen Ehec gemacht haben – pro Tag. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Die Ehec-Krise hat den deutschen Einzelhändlern den größten Umsatzeinbruch seit Jahren zugefügt. Sie hatten im Mai 3,0 Prozent weniger in den Kassen als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. „Einen stärkeren Rückgang hat es zuletzt im Mai 2007 mit 3,7 Prozent gegeben“, sagte ein Statistiker. Der Einzelhandelsverband HDE sprach von einem Dämpfer für den Konsum. „Die Ehec- Krise hat die Verbraucher verunsichert“, sagte Verbandssprecher Kai Falk. „Sie sind deshalb seltener in die Geschäfte gegangen.“ Nach Angaben der Bundesbank fiel der Umsatz von Nahrungsmitteln, Tabakwaren und Getränken im Mai um überdurchschnittlich starke 3,6 Prozent. Mehr als ein Drittel des Einzelhandelsumsatzes entfällt auf diese Warengruppe. Allein die spanischen Gemüsebauern beklagten auf dem Höhepunkt der Ehec-Krise den Verlust von 200 Millionen Euro pro Woche. Der Deutsche Bauernverband sprach von Verlusten von fünf Millionen Euro pro Tag, die sich Anfang Juni bereits auf 65 Millionen Euro summiert hatten. Höhepunkt der Krise war der 22. Mai, an dem dem Robert-Koch-Institut (RKI) über 60 neue Hus-Fälle gemeldet wurden, eine besonders gefährliche Komplikation der Ehec-Infektion. Am 25. Mai warnte das RKI offiziell vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Gurken und Blattsalaten. Zuvor hatten schon verschiedene Landesbehörden vor Rohkost als möglicher Infektionsquelle gewarnt.

Experten rechnen ungeachtet des überraschenden Rückschlags in diesem Jahr mit spürbar steigenden Konsumausgaben. „Es gibt offenbar Sonderfaktoren – wie die Ehec-Krise“, sagte am Donnerstag der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. „Das hat den Umsatz im Nahrungsmittelhandel gedrückt.“ Aber auch die unterschiedliche Lage von Feiertagen könne die Zahlen verzerrt haben, obwohl die Statistiker versuchen, Saison- und Kalendereffekte herauszurechnen. Auch die Commerzbank erwartet keinen Konsumeinbruch. „Dafür sind die Rahmendaten einfach zu gut“, sagte ihr Experte Ralph Solveen. „Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Beschäftigung steigt, die Löhne ziehen wieder etwas stärker an.“

Das Münchner Ifo-Institut erwartet im laufenden Jahr ein Plus beim privaten Konsum von 1,6 Prozent. Für das kommende Jahr wird mit 1,3 Prozent ein ähnlich starker Zuwachs vorhergesagt. Der für Juli vom Marktforschungsunternehmen GfK ermittelte Konsumklima-Index war zuletzt gestiegen.

Von Januar bis Mai setzten die Einzelhändler 3,1 Prozent mehr um. Der HDE rechnet im Gesamtjahr mit einem Plus von 1,5 Prozent. Die Aussichten für gute Geschäfte sind angesichts der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht schlecht. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Mai auf 40,8 Millionen. Damit standen fast eine halbe Million Männer und Frauen mehr in Lohn und Brot als vor einem Jahr. rtr

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