Wirtschaft : Eichel gewinnt nur Zeit

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Von Corinna Visser

Der unerwartete Absturz der TAktie am Dienstagmorgen muss Telekom-Anleger nicht beunruhigen. Die milliardenschwere Wandelanleihe auf die Aktien der Deutschen Telekom, die die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) herausgegeben hat, wird den Kurs der Aktie nicht weiter beeinflussen. Die Zusage der KfW, in den kommenden sechs Monaten keine T-Aktien zu verkaufen, hat die Börsianer schon im Laufe des Tages wieder versöhnt.

Auswirkungen auf den Kurs sind frühestens zu erwarten, wenn die Investoren zum ersten Mal das Recht haben, ihre Anleihen in Aktien umzutauschen – und das ist in zwei Jahren. Zunächst einmal ändert sich aus der Perspektive eine Telekom-Aktionärs nichts. Das Kapital der Telekom wird nicht erhöht, der Anteil eines Aktionärs am Kapital des Konzerns wird nicht verwässert. Denn die Aktien wechseln beim Wandeln nur den Besitzer – von der staatseigenen Bank in die Hand privater Investoren. Der Staatsanteil an der Telekom sinkt, die Beteiligung Privater steigt. Das macht die Aktie für Fonds und andere institutionelle Anleger attraktiver, das stützt den Börsenkurs.

Das alles passiert aber nur, wenn die T-Aktie in den kommenden zwei bis fünf Jahren tatsächlich um wenigstens 38 Prozent zulegt. Anderenfalls macht das Wandeln für die Anleger keinen Sinn. Sollte die Entwicklung schlechter laufen, muss die KfW den Investoren ihr Kapital plus Zins zurückzahlen. Und die Aktien bleiben bei der KfW.

Der Anleger kann die Wandelanleihe also gelassen zur Kenntnis nehmen. Lediglich der Bundesfinanzminister hat Grund, den Aktienmarkt weiter mit Nervosität zu verfolgen. Er hat jetzt Zeit gewonnen – und die Chance, weitere Aktien an die KfW abzugeben, um seine Haushaltslöcher zu stopfen. Er hat eine marktschonende Variante gefunden, sich über die Telekom-Aktie Geld zu verschaffen. Sollte die T-Aktie aber nicht die gewünschte positive Entwicklung nehmen, dann bleibt seine Bank weiter auf den Aktien sitzen – und das Geld fließt an die Investoren zurück.

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