Wirtschaft : Eichel sieht gute Aussichten auf Wachstum von 2,5 Prozent

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Gute Aussichten für die Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr sieht Finanzminister Hans Eichel (SPD). Die Auftragsbücher der Industrieunternehmen seien gut gefüllt, deutsche Produkte und Dienstleistungen im In- und vor allem Ausland wieder stärker nachgefragt. Eichel geht daher in seinem am Mittwoch veröffentlichten Jahreswirtschaftsbericht 2000 von einem realen Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent aus. Im vergangenen Jahr hatte das Bruttoinlandsprodukt um 1,4 Prozent zugelegt.

Im Jahr 2000 rechnet Eichel mit durchschnittlich 200 000 Arbeitslosen weniger. Da es eine "wachsende Dynamik auf dem Arbeitsmarkt" gebe, würden zum Jahresende gar 300 000 Menschen weniger in der Arbeitslosenstatistik auftauchen. Sie fielen entweder aus der Berechnung oder hätten eine der geschätzten 150 000 neu geschaffenen Arbeitsstellen bekommen. Die Bevölkerungsentwicklung helfe ebenfalls, die Arbeitslosigkeit zu senken. Denn bei mehr Alten, die zu Rentnern würden, und weniger arbeitsfähigen, jedoch joblosen Jungen, würden die Zahlen automatisch sinken. Dieser demografische Faktor sei für rund 80 000 weniger Arbeitslose in der Statistik verantwortlich. Die auf den Arbeitsmarkt drängenden Frauen glichen die Rechnung jedoch wieder aus, sagte Eichel. Nach seiner Prognose wird die Zahl der Arbeitslosen zum Jahresende erstmals seit 1996 unter die vier Millionen Marke sinken. "Es geht deutlich aufwärts in Deutschland".

Erstmals widmet sich der Jahreswirtschaftsbericht auch dem angestrebten ökologisch-orientierten Wirtschaften. "Die Wirtschaft von morgen kann nicht so produzieren wie die Wirtschaft von gestern", sagte Eichel. So halte die Bundesregierung an dem Ziel fest, "die Kohlendioxydemissionen bis zum Jahr 2005 um 25 Prozent im Vergleich zu 1990 zu vermindern". Um die Ziele der Klimaschutzerklärung von Kyoto zu erreichen, laufen "zur Zeit Gespräche mit der deutschen Wirtschaft", wie aus dem Jahreswirtschaftsbericht hervorgeht. Ein Schritt auf dem Weg in eine nachhaltige Produktion, nannte Eichel die "maßvolle Verteuerung von Energie", wie durch die Ökosteuer. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat am Mittwoch für den Jahreswirtschaftsbericht ein Teillob vergeben. Der Bericht enthalte zahlreiche mutige und richtige Erkenntnisse, die man von der Regierung "bisher so nicht" gekannt habe, erklärte der BDI im Anschluss an die Vorstellung des Wirtschaftsberichtes durch den Finanzminister. Jetzt müssten aber die richtigen wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen gezogen werden.

Beim Wirtschaftswachstum sei bei richtigen Weichenstellungen der Wirtschaftspolitik sogar noch "mehr drin" als die von der Regierung prognostizierten 2,5 Prozent, betont der BDI.

Der Deutsche Industrie- und Handelstag lobte, die Bundesregierung finde "endlich zu einer wachstumsfreundlichen Konzeption der Wirtschaftspolitik". Die günstige Konjunktur- und Preisprognose stehe aber unter dem zentralen Vorbehalt, dass die Lohnpolitik tatsächlich einen moderaten Kurs fahre.

Für den DGB kommentierte Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer: "Schon lange nicht mehr hatte eine Bundesregierung so günstige wirtschaftliche Voraussetzungen, Erfolge bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu erzielen." Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände erklärte, "mit einem Wachstum in dieser Größenordnung können wir nicht zufrieden sein, denn damit gehören wie weiterhin zu den Schlusslichtern im Euro-Raum".

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