Eigentümerwechsel bei Karstadt : Benko und Berggruen: Der Handel mit dem Händler

Berggruen geht, Benko kommt: Die deutsche Warenhauskette wechselt den Besitzer. Was bedeutet das für die Zukunft des Unternehmens?

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Jetzt versucht es der nächste: Der österreichische Immobilienunternehmer René Benko übernimmt die angeschlagene Warenhauskette Karstadt vollständig. Der einst als Retter gefeierte Investor Nicolas Berggruen zieht sich ganz zurück. „Trotz unserer Bemühungen schreibt Karstadt noch keine schwarzen Zahlen“, erklärte Berggruen in einem kurzen Statement. „Wir machen daher den Weg frei für einen Neuanfang mit einem neuen Eigentümer.“ Die Mitarbeiter des Unternehmens stehen wieder vor der bangen Frage, was der neue Eigentümer mit dem Unternehmen vor hat – und ob es endlich gelingt, Karstadt wieder zum Erfolg zu führen.

Wie ist der Deal mit Karstadt gelaufen, was sieht er vor?


Benkos Einstieg bei Karstadt erfolgte in drei Schritten: Im Dezember 2012 kaufte seine Unternehmensgruppe Signa das Berliner KaDeWe und 16 weitere Karstadt-Immobilien für mehr als 1,1 Milliarden Euro. Karstadt blieb zunächst Mieter. Ein dreiviertel Jahr später gingen auch 75,1 Prozent der Anteile an der 28 Läden umfassenden Kette Karstadt Sports und an den Premium-Kaufhäusern an Benko. Zu der Gruppe gehören das KaDeWe, das Kaufhaus Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg. Der Kaufpreis damals: 300 Millionen Euro. Von dem Geld sind inzwischen 200 Millionen Euro in das Unternehmen geflossen.

Jetzt übernimmt Signa die restlichen Anteile an der Karstadt Warenhaus GmbH, an den drei Premiumhäusern und auch an Karstadt Sports. So werden Eigentümer und Betreiber der Warenhäuser künftig zu großen Teilen wieder eins sein. „Es fließt kein weiterer Kaufpreis an die Berggruen Holding“, teilte Signa mit. Wichtigstes Ziel sei jetzt, dass „Ruhe einkehrt“ und Aufsichtsrat und Management zügig eine „tragfähige Sanierungsstrategie“ präsentieren, die bereits mehrfach angekündigt worden sei. Sie soll mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert und verabschiedet und dann durch das Management umgesetzt werden. Der Aufsichtsrat tagt am kommenden Donnerstag.

Wie ist Karstadt derzeit aufgestellt?

Die Warenhauskette schreibt rote Zahlen. Im Geschäftsjahr 2012/2013 machte Karstadt einen Verlust von 124 Millionen Euro. Der Umsatz sank von 2,9 Milliarden auf 2,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Konkurrent Kaufhof setzte in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres in seinen 137 Warenhäusern 2,4 Milliarden Euro um und verdiente dabei im operativen Geschäft 179 Millionen Euro.

Karstadt betreibt heute bundesweit noch 83 Filialen und beschäftigt 17 000 Mitarbeiter. Als Berggruen Karstadt im Jahr 2010 für den symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen hatte, waren noch 25 000 Mitarbeiter bei Karstadt beschäftigt, 3300 davon in Berlin. Gerrit Heinemann, Handelsexperte an der Hochschule Niederrhein, schätzt den Investitionsstau bei Karstadt auf mindestens 1,5 Milliarden Euro. Nötig seien Investitionen in die Digitalisierung, in ein modernes Warenwirtschaftssystem und auch in die Ausstattung und Digitalisierung der Filialen selbst. „Karstadt liegt auf der Intensivstation und muss bereits künstlich beatmet werden“, sagt Heinemann. Das zeige sich daran, dass Benko für das Weihnachtsgeschäft bereits eine Bürgschaft habe übernehmen müssen. Mitte Juli hatte Aufsichtsratschef Stephan Fanderl gesagt, das Unternehmen mache sich „berechtigte Sorgen um die Profitabilität von mehr als 20 Häusern“. Heinemann schätzt, dass wohl eher 30 bis 40 Häuser auf der Kippe stehen, „wenn man das unter realistischen Zukunftsannahmen beleuchtet“.

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