Wirtschaft : Ein altgedienter Banker geht von Bord

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Frankfurt (Main). 48 Jahre bei einem Unternehmen, davon die meiste Zeit in führender Position - der Lebenslauf von Hilmar Kopper hat nicht nur in Deutschland wenige Beispiele. Am Mittwoch kommt für den 67jährigen Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank ein tiefer Einschnitt.

Zum letzten Mal leitet er in der Frankfurter Festhalle die Hauptversammlung der größten Bank Europas. Der oft als kühl bezeichnete, gebürtige Preuße zeigt vor den rund 5000 Aktionären Emotionen. Viele Worte allerdings verliert er nicht. „Es waren 48 wunderbare Jahre“, sagt Kopper und geht zur Tagesordnung über. Zuvor allerdings darf er sich noch lobende Worte („Auch das tut mal gut“) anhören, von Aktionären, aber auch von Berthold Leibinger, dem Chef des Maschinenbauers Trumpf. Er dankt Kopper im n des Aufsichtsrates.

„Dieses Haus hat Hilmar Kopper viel zu verdanken.“ Koppers Karriere ist in der Tat beispiellos. Vom einfachen Banklehrling ohne Studium bringt er es bis zum Vorstandssprecher. Im Alter von 19 Jahren kommt er 1954 zur Rheinisch-Westfälischen Bank, dem Vorläufer der Deutschen Bank. New York, Düsseldorf und Leverkusen sind seine weiteren Stationen, bevor er 1977 in den Vorstand der Bank aufrückt. Von 1989 bis 1997 ist Kopper Vorstandssprecher der Deutschen Bank, seitdem führt er den Aufsichtsrat.

Kopper, der das Sprecheramt nach dem Mord an Alfred Herrhausen übernommen hatte, leitet mit der Übernahme der britischen Morgan Grenfell den Erfolg der Bank im Investmentbanking ein, muss allerdings auch die Beinahe-Pleite der Metallgesellschaft und den Schneider-Skandal verkraften. Der Deutschen Bank will er weiter verbunden bleiben, auch als Aufsichtsratschef bei Daimler-Chrysler. Nur weil Kopper dieses Amt behält und damit weiter ein Auge auf Jürgen Schrempp wirft, gibt er den Kontrollposten bei der Bank auf. Und macht den Weg frei für Rolf Breuer.

Auch für seinen Nachfolger an der Spitze des Kontrollgremiums bringt die Hauptversammlung einen Einschnitt. Immerhin ist Rolf Breuer, der 64jährige stets braun gebrannte Banker, seit mehr als 35 Jahren bei der Deutschen Bank.

Der wegen seines Einsatzes für den Bankenplatz Frankfurt auch als „Mr. Finanzplatz“ titulierte Breuer begann seine Karriere 1966 in der Filiale Karlsruhe. 1969 kommt der promovierte Jurist nach Frankfurt, wo er 1974 die Leitung der Börsenabteilung übernimmt. 1985 rückt der gebürtige Bonner in den Vorstand, 1997 übernimmt er von Kopper die Sprecherrolle. In seine Zeit fällt der Ausbau des Investmentbanking durch den Kauf von Bankers Trust, aber auch die gescheiterte Fusion mit der Dresdner Bank, die am Widerstand seines Nachfolgers Ackermann und von Kopper scheitert. Am Mittwoch muss sich Breuer zwar Kritik von Aktionären anhören. Aber es gibt auch viel Lob. Er sei ein „brillanter Vertreter der Branche“, der stets aufrichtig und ehrlich agiert habe, sagt einer. Als Vorsitzender des Aufsichtsrats wird sich Breuer daran halten. Rolf Obertreis

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