Wirtschaft : Ein anderer Spirit

Die Telekom hat eine neue Vision

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Von außen betrachtet mag das überraschen: Die Mitarbeiter der Deutschen Telekom fühlen sich ihrem Unternehmen so eng verbunden wie nie zuvor. Das jedenfalls ergab die jüngste interne Mitarbeiterbefragung. Auch wenn der Maßstab offenbar bescheiden war: Die Bindung an das Unternehmen habe nun erstmalig das durchschnittliche Niveau deutscher Unternehmen erreicht, schreibt die Mitarbeiterzeitung. In der momentanen Situation muss das wohl als Erfolg angesehen werden.

Dabei ist die Zeit der Unsicherheit nach dem turbulenten Jahr 2002 keineswegs vorbei. Bis 2005 will die Telekom weitere 50000 Arbeitsplätze abbauen – vor allem in Deutschland – die Festnetzsparte TCom ist besonders betroffen. Doch der Spielraum ist eng, denn bereits von 1995 bis 2000 baute die Telekom 100000 Stellen im Unternehmen ab. Rund 110000 Beschäftigte hat T-Com hier zu Lande noch, davon sind 80 Prozent Beamte oder Angestellte in beamtenähnlicher Position. Keinen Beamtenstatus dagegen genießen die Mitarbeiter im Osten – und der Nachwuchs. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten liegt inzwischen bei 42 Jahren – deutlich zu alt für eine innovationsgetriebene Branche. Der letzte Beamte verlässt das Unternehmen im Jahr 2035.

„Die klassischen Instrumente des Personalumbaus wie zum Beispiel Abfindungen oder Vorruhestandsregelungen sind weitgehend ausgeschöpft“, konstatiert die Telekom. Jetzt geht es an die Substanz. Dabei stehen die Mitarbeiter laut Tarifvertrag unter Rationalisierungsschutz. Der Ausweg: Die Telekom gründete eine eigene Personal-Service-Agentur (PSA). Ihre Aufgabe ist es, vom Stellenabbau betroffene Mitarbeiter aufzunehmen, gegebenenfalls zu qualifizieren, und in neue Jobs innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu vermitteln. Bisher mit wenig Erfolg.

Dennoch versucht Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke Aufbruchstimmung zu vermitteln. Dabei hat er jedoch auch den Druck erhöht. Zusammen mit dem Management hat er für die Telekom ein neues Konzernleitbild erarbeitet: „T-Spirit“. Das soll den Mitarbeitern neue Orientierung geben. Hinter dem Spirit steht die „Vision“, die Telekom zum führenden Dienstleistungsunternehmen der Branche zu machen, und dahinter stehen sechs Werte. Neben Respekt und Integrität steht der sechste Wert: „Top Exzellenz“, den Personalchef Heinz Klinkhammer als „das Streben nach permanenter Verbesserung für den Geschäftserfolg“ beschreibt. Für ihn heißt das, „wer aus seinen Fehlern nicht lernt und sich nicht an unseren Werten ausrichtet, ist bei uns am falschen Platz“. Jetzt wollen die Mitarbeiter wissen, was das für die bedeutet. vis

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