Wirtschaft : Ein Angebot, das begehrlich macht

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Eine offizielle Bieter-Liste für die Berliner Bank gibt es nicht. Im Gegenteil: Alle Bewerber haben sich zum Schweigen verpflichtet. Dennoch bekannt ist, dass derzeit sechs oder sieben Angebote auf dem Tisch liegen. Der Kaufpreis für das Institut dürfte bei mindestens 300 bis 400 Millionen Euro liegen.

Berliner Volksbank

Die Genossenschaftsbank fürchtet vor allem einen neuen Konkurrenten, der – etwa mit Dumpingpreisen – den Berliner Markt durcheinander wirbeln könnte. Deshalb versucht das Institut seinen Marktanteil durch den Kauf zu erhöhen. Allerdings hat die Volksbank selbst erst ihre Sanierung abgeschlossen. Der Verband BVR musste 1,5 Milliarden Euro dafür bereitstellen. Nun müsste der Verband erneut Geld für den Kauf geben. Zwar signalisiert der BVR sein grundsätzliches Okay, doch die Finanzierung ist offen.

Mittelbrandenburgische Sparkasse

Die Sparkasse aus Potsdam, die weite Teile Brandenburgs als Marktgebiet hat, würde liebend gern nach Berlin und in das Segment der vermögenderen Privatkunden expandieren. Die Kriegskasse ist ausreichend gefüllt, um auch hohe Preise bezahlen zu können. Die MBS findet mit ihrem Vorhaben aber keinen Gefallen beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Dieser wirft ihr vor, gegen das Regionalitätsprinzip zu verstoßen, denn die MBS würde mit der Berliner Bank der Berliner Sparkasse in „ihrem Marktgebiet“ Konkurrenz machen. Zudem fürchtet der DSGV offenbar, nicht mehr für die Sparkasse bieten zu können, wenn ein Mitglied bereits für die Berliner Bank den Zuschlag erhält.

Deutsche Bank

Der Vorsitzende der Geschäftsführung Region Berlin, Gustav Holtkämper, meldete kürzlich Interesse an und versicherte, die Deutsche Bank hätte keine Probleme mit einer eventuellen Integration. Sein Kollege Marc-Aurel von Dewitz sieht „sehr interessante Perspektiven“. Allerdings dürfte die Deutsche Bank bei einem Zuschlag nicht mehr für die Bankgesellschaft bieten.

Commerzbank

Der Commerzbank sagt man nach, dass sie derzeit alles kauft, um zu wachsen. Das Institut bemüht sich seit längerem um einen Ausbau des Privatkundengeschäfts. Die mehr als 300 000 Kunden der Berliner Bank kämen da gerade recht. Die Bankgesellschaft wäre vermutlich schwer zu integrieren.

HVB/Unicredito

Die Hypo-Vereinsbank ist als Immobilienfinanzierer sehr aktiv am Berliner Markt und als Bank in den neuen Ländern. Über die Mutter Unicredito haben die Münchener zudem ein starkes Standbein in Südosteuropa. Allerdings läuft noch die Integration von HVB und Unicredito und bindet vor allem personelle Ressourcen.

US-Investoren

Sie halten sich bisher am meisten bedeckt. Genannt wird immer wieder die Berlin Capital Partners unter der Führung von Christopher Flowers, der bereits 2002 für die Bankgesellschaft geboten hat. dr

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