Wirtschaft : Ein Arbeitskampf voller Kuriositäten

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Von Alfons Frese

Klaus Zwickel soll in den Knast. So mancher Gewerkschaftsfresser, und davon gibt es hier zu Lande reichlich, hat auf diese Nachricht lange warten müssen. Doch das Warten auf den Vollzug dürfte unendlich werden. Denn die Strafandrohung gegen den IG MetallChef ist nicht mehr als eine weitere Facette im bizarren Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche. Streikposten sollen trotz richterlicher Verfügung im Brandenburger ZF-Werk Arbeitswillige blockiert haben. Stimmt nicht, sagt die IG Metall. Stimmt doch, sagen die Arbeitgeber. Und das Arbeitsgericht brummt Zwickel eine Strafe auf, die dann morgen von einem anderen Gericht wieder kassiert wird. Das gehört zum Tarifspiel dazu. Aber ganz neu ist das, was auf dem sächsischen Abenteuerspielplatz passiert. Da heuert ein Dresdner Unternehmen zwei Hubschrauber an, um Beschäftigte, Schlafsäcke und Proviant über die Streikposten hinweg ins Werk zu fliegen. „Hollywood-Inszenierung“, höhnt der IG Metall-Streikführer. „Reine Notwehr“, stöhnt der Chef des Unternehmens. Nachdem alle ihr Mütchen gekühlt haben, wird der Streik dort ausgesetzt, kommende Woche soll über einen Haustarifvertrag verhandelt werden.

Und das ist denn auch die größte Kuriosität in diesem historischen Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche Ost. Inzwischen hat die IG Metall fast zehn Haustarife über die Arbeitszeitverkürzung abgeschlossen. Spektakulärstes Beispiel ist das GKN Gelenkwellenwerk in Mosel mit rund 1000 Beschäftigten, die ab 2009 nur noch 35 Stunden arbeiten werden. Aber was bleibt noch vom Flächentarifvertag übrig, wenn sich eine Firma nach der anderen mit einem eigenen Tarif aus dem aktuellen Arbeitskampf und der Solidarität der Unternehmen verabschiedet? Die IG Metall hat sich für eine verrückte Lösung entschlossen: Da sie keinen Flächentarif über einen Fahrplan Richtung 35 Stunden kriegt, nimmt sie gewissermaßen das, was sie kriegen kann: eine Firma nach der anderen. Der Flächentarif, dieses hohe Gut des deutschen Verbändewesens, bleibt im wilden Osten auf der Strecke. Das ist auch bitter für Klaus Zwickel, der den Arbeitskampf um die 35 Stunden nicht gewollt hat. Und der trotzdem für viele als Bösewicht dasteht.

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