Wirtschaft : Ein Ausblick auf das Geschehen auf den Zinsmärkten

rez

Alan Greenspan hatte einmal mehr das letzte Wort: Nach der jüngsten Erhöhung der US-Leitzinsen können Marktteilnehmer nun getrost das Jahrtausend ausklingen lassen. Mit einem weiteren Eingriff in das US-Zinsgefüge, der wie üblich auf die wichtigsten Märkte der Welt abstrahlt, rechnet wohl nun endgültig niemand mehr. Die Kurse der Anleihen reagierten - mit Verzögerung - klassisch auf die Zinserhöhung: Sie gaben nach. Die Phantasie der vergangenen Tage, die die Kurse anhob, ist verflogen. Nun herrscht Klarheit. Zumindest für die USA rechnen Bankexperten fürs Erste nicht mehr mit einem weiteren Schritt. Im kommenden Jahr dürfte sich die vor Kraft strotzende US-Wirtschaft langsam abschwächen. Die Inflationsrate dürfte allerdings kurzfristig noch anziehen. Daher rechnen die Rentenmarktexperten der Deutschen Bank bis Mitte nächsten Jahres noch mit einem Zinsschritt in ähnlichem Ausmaß wie zuletzt - um 0,25 Prozentpunkte. Für den US-amerikanischen Kapitalmarkt bedeutet das nach Ansicht von Rentenmarktexperten der Deutschen Bank, dass sich die marktbestimmende US-Staatsanleihe mit Laufzeit von dreißig Jahren in den nächsten Monaten um das derzeitige Niveau von um 6,14 Prozent bewegen dürfte.

Im Euroland halten Beobachter den Leitzins trotz der jüngsten Anhebung dagegen nach wie vor für niedrig. Das jüngste Signal gaben die Fünf Wirtschaftsweisen in ihrem Herbstgutachten ab, die für Deutschland im kommenden Jahr ein Wachstum von 2,7 Prozent vorhersagen. Daher rechnet zum Beispiel die Deutsche Bank damit, dass die Europäischen Währungshüter im Jahr 2000 mehrere Zinserhöhungen vornehmen werden.

Der europäische Rentenmarkt dürfte im nächsten halben Jahr stabil bleiben. Die Rendite der marktbestimmenden zehnjährigen Bundesanleihe sehen Bankexperten zwischen fünf und 5,25 Prozent. Die zum Jahresende traditionelle Kurseuphorie, in der Anleger sich nochmals mit Zinspapieren eindecken, könnte in den vergangenen Tagen bereits vorweggenommen worden sein, meinen Banker. Am Markt gibt es aber letztlich doch keine Sicherheit: Die Sorge über Probleme bei der Umstellung auf das Jahr 2000 scheidet nach wie vor die Geister. Während die einen auf Nummer sicher gehen und nur Staatstiteln trauen, nutzen die Optimisten die im Vergleich günstigen Kurse bei Unternehmenstiteln und Pfandbriefen. Insbesondere Anleihen mit Laufzeiten von fünf bis sieben Jahren bieten ein gutes Verhältnis von Bindungsdauer und Rendite, finden Deutsche-Bank-Berater. Bei Pfandbriefen können Anleger aktuell bis über fünf Prozent mitnehmen. Qualitativ gute hiesige Firmenbonds bringen teils sogar mehr ein. Darin enthalten sind u.a. Prämien für Risiken - etwa die einer Übernahme.

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