Wirtschaft : Ein Auto vor dem Tor, ein Teddy für den Kanzler

Die Imagekampagne „Land der Ideen“ zur Fußball-WM hat endlich genug Geld von der Industrie – nur die Autohersteller fehlen

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Energieversorger RWE, die Deutsche Post und der Pharmakonzern Bayer unterstützen die Imagekampagne „Deutschland – Land der Ideen“ zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006. „Mit weiteren vier Großunternehmen sind wir in abschließenden Verhandlungen“, sagte Mike de Vries, Geschäftsführer der FC Deutschland GmbH, dem Tagesspiegel. Ob sich darunter auch ein Autokonzern befindet, wollte de Vries nicht sagen. Deutsche Autohersteller haben die Kampagne bisher nicht unterstützt. Lediglich Porsche hatte eine Million Euro zugesagt – dann aber im Streit mit dem Industrieverband BDI wieder zurückgezogen.

Insgesamt leisten bis jetzt 18 Unternehmen einen Finanzierungsbeitrag oder sie fördern die Kampagne anders. Die FC Deutschland GmbH ist Organisator des Projekts, das jeweils zur Hälfte von der deutschen Industrie und von der Bundesregierung finanziert wird. „Wir haben jetzt zehn Millionen Euro von der Industrie zusammen“, sagte de Vries. Weitere zehn Millionen Euro kommen vom Bundesinnenministerium hinzu. Am Ende sollen 25 Firmen die Kampagne tragen. Sie soll den Standort Deutschland anlässlich der WM vor allem im Ausland darstellen. Zu den Finanziers gehören unter anderem die Telekom, die Lufthansa sowie die Deutsche Bank. Als einziges Berliner Unternehmen ist bisher die Wall AG dabei.

Um wenigstens einen deutschen Autokonzern zu gewinnen, wird de Vries in dieser Woche zur Internationalen Automobilausstellung IAA fahren, um mit den Unternehmen zu verhandeln. „Wir sind sicher, dass wir einen Partner aus der deutschen Automobilindustrie dabei haben werden“, gibt er sich zuversichtlich. Zur Finanzierung der Kampagne werde zwar kein Autokonzern mehr gebraucht. „Aber die Branche ist zu zentral für den Wirtschaftsstandort, sie darf nicht fehlen.“ VW und BMW hatten auf Anfrage kein Interesse gezeigt, bei Daimler-Chrysler zieht sich eine Entscheidung hin, weil der neue Mercedes- Chef Dieter Zetsche eben erst angetreten ist. Peinlich für die Branche: Offizieller Partner der Fifa-WM in Deutschland ist der südkoreanische Autobauer Hyundai.

De Vries hält gleichwohl an seinem Plan fest, im Rahmen eines Skulpturenparks („Walk of Ideas“) in Berlin ein großes Auto als Symbol für die Innovationen der deutschen Industrie zu präsentieren. Am liebsten vor dem Brandenburger Tor, wo das Fußball-Jahr mit einem großen Silvesterfest im Zeichen der WM eröffnet werden soll. Den Anfang machen jedoch nach derzeitiger Planung andere: „Zur Jahreswende planen wir die Enthüllung eines riesigen Fußballschuhs vor dem Reichstag. Danach werden alle drei bis vier Wochen weitere Skulpturen in Berlin dazu kommen“, sagte de Vries.

Momentan sind sechs bis acht Skulpturen geplant. Unter anderem ein Notenschlüssel sowie eine große Aspirin-Tablette, für die der Hersteller Bayer die Patenschaft übernommen hat. Der Baustoff für alle Styropor-Plastiken und die Lackierung stammen von BASF. Der Bauauftrag wird gerade ausgeschrieben. Wo die Skulpturen, die durch umfangreiche Informationen zur jeweiligen Branche ergänzt werden, in Berlin stehen werden, verhandelt de Vries noch mit der Stadt.

„Vor dem Kanzleramt würden wir gerne einen riesigen Teddy aufstellen“, sagt der Chef des FC Deutschland. Möglicher Partner: Haribo. „Eine schriftliche Anfrage vom Land der Ideen liegt vor“, sagte ein Sprecher des Süßwarenherstellers dem Tagesspiegel. Wegen des Markenzeichens, dem Goldbären, könne ein Engagement bei der Kampagne Sinn machen. „Es wurden allerdings noch keine detaillierten Gespräche geführt.“

Die Lufthansa, die – anders als die Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate – kein offizieller Sponsor der Fifa-WM ist, unterstützt das „Land der Ideen“ mit Werbefläche. Die Kampagne wird sich im Bordmagazin für Vielflieger mit einem PR-Artikel präsentieren dürfen und mit Werbespots auf den Langstrecken. „Das ist sonst teuer verkaufter Werbeplatz“, erklärt eine Lufthansa-Sprecherin und verweist auf 50 Millionen Lufthansa-Passagiere im Jahr.

Der FC Deutschland will nun stärker bei kleineren Firmen um Unterstützung werben. „Aus dem Mittelstand kommen noch einige hochinteressante Partner auf uns zu“, versichert de Vries. Als Beispiel nennt er die Otto Bock Healthcare GmbH, ein hessischer Mittelständler, in Berlin gegründet und inzwischen Weltmarktführer in Orthopädie- und Reha-Technik. „Solche Unternehmer brauchen wir, weil sie den Beweis bringen, dass wir tatsächlich ein Land der Ideen sind.“ Um mittelständischen Firmen die Unterstützung zu erleichtern, will de Vries den künftigen Partnern einen handfesten Mehrwert anbieten: „Wir werden sowohl deutsche Unternehmen mit ins Ausland nehmen als auch ausländische Investoren mit unseren Industriepartnern zusammenbringen“, sagt er.

Kritik, dass der betriebswirtschaftliche Nutzen der Kampagne für die Unternehmen bislang nicht erkennbar war, weist de Vries zurück: Nach den Startschwierigkeiten sei das Vertrauen der Unternehmen nun da. „Wir waren am Anfang vielleicht ein bisschen zu optimistisch“, räumt er ein. Aber: „Wir werden rechtzeitig fertig.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben