Wirtschaft : Ein bisschen Fortschritt

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Von Henrik Mortsiefer

Es ist eine traurige Bilanz der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Kapitalvernichtung an den Börsen hat 2002 besorgniserregende Ausmaße angenommen. Zu den schwarzen Schafen, die man bisher vor allem am Neuen Markt fand, gesellen sich nun zum ersten Mal auch DaxKonzerne. Die Anleger sind vor keinem Absturz mehr sicher, so scheint es. Nicht einmal in der ersten Börsenliga.

Doch die berechtigte Kritik der Aktionärsschützer an den Versagern in den Chefetagen sollte nicht als eine Generalabrechnung missbraucht werden. Aktien an die Börse zu bringen und dann in den Sog fallender Kurse zu geraten, ist noch nicht per se verwerflich. Außerdem ist der Absturz selbst renommierter Konzerne nicht (nur) auf Managementfehler zurückzuführen. Die Finanzbranche ist zum Beispiel rund um den Globus in Turbulenzen geraten, weil sie selbst an den Börsen investieren muss. Außerdem: Selbst im Baisse-Jahr 2002 gab es Unternehmen, deren Aktien zugelegt haben.

Das alles wissen auch die Aktionärsschützer. Aber als Anlegerlobby müssen sie den Finger in die Wunde legen. Es täte der ramponierten Aktienkultur allerdings besser, wenn wieder mehr von den kleinen Fortschritten in Sachen Anlegerschutz die Rede wäre. So hat die Bundesregierung jüngst Pläne zu einer deutlich schärferen Aufsicht von Wirtschaftsprüfern vorgelegt. Auch soll die persönliche Haftung von Vorständen und Aufsichtsräten gesetzlich verankert und damit eine Forderung der Aktionärsschützer verwirklicht werden. Eine Garantie für steigende Aktienkurse ist das freilich nicht. Aber es stärkt das Vertrauen der Anleger. Wenn sie wieder Mut fassen, könnte es an der Börse bald wieder bergauf gehen.

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