Wirtschaft : Ein Boot für 72 000 Euro – im Monat

Middelhoff und Esch einigen sich über Luxusjacht.

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Berlin - Das Corpus Delicti ist 33 Meter lang und sieben Meter breit, verfügt über Sonnendecks und mehrere hübsche Passagierkabinen: Im Streit um die 5000-PS- Jacht „Medici“ die in St. Tropez im Hafen liegt, wollten sich Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und sein ehemaliger Vermögensverwalter Josef Esch eigentlich am Mittwoch vor dem Bielefelder Landgericht begegnen. Nun haben sich die Parteien aber außergerichtlich auf einen Vergleich geeinigt, erklärte Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller. Über Details sei Stillschweigen vereinbart worden. Nach Informationen des „Spiegel“ soll Middelhoff aber eine Schuld in Höhe von 2,5 Millionen Euro anerkannt haben.

Esch und andere Verfahrensbeteiligte hatten von Middelhoff Charter- und Unterhaltsgebühren für die „Medici“ in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro gefordert. Der Manager hatte die Jacht 2007 gechartert, monatlich zahlte er dafür gut 72 000 Euro. Bis es ihm 2009 zu viel wurde: Er kündigte den Vertrag fristlos und stellte die Zahlungen ein – wegen finanzieller Probleme. Esch aber, der die Luxusjacht mit mehreren Partnern 2006 für gut sieben Millionen Euro erworben hatte, akzeptierte das zunächst nicht.

Die Parteien einigten sich am Mittwoch zudem über Flugkosten in sechsstelliger Höhe, die Esch Middelhoff in Rechnung gestellt hatte.

Der Vergleich ist nur ein kleiner Baustein des Konflikts zwischen dem Manager und seinem ehemaligen Vermögensverwalter. Denn Middelhoff macht Esch und das Bankhaus Sal. Oppenheim für seine finanzielle Schieflage verantwortlich und fordert 219 Millionen Euro Schadenersatz in gesamtschuldnerischer Haftung. Middelhoff hatte auf Anraten Eschs und des Bankhauses viel Geld in sogenannte Oppenheim-Esch-Immobilienfonds investiert. Nun wirft er beiden vor, sich dabei durch völlig überhöhte „weiche Kosten“ – etwa für Kapitalvermittlung oder Marketing – bereichert zu haben. Esch bestreitet das aber und argumentiert, dass „weiche Kosten“ aus Steuerersparnisgründen explizit erwünscht waren.

Auch dieser Streit soll nun im Rahmen eines Gesamtvergleichs beigelegt werden. Mit dem Bankhaus Sal. Oppenheim gebe es „sehr zielführende Verhandlungen“, die bereits „sehr weit gediehen“ seien, sagte Middelhoff-Anwalt Holtermüller auf Anfrage. Die Gespräche mit Esch würden aber gerade erst beginnen, hier erwarte man „langwierige Verhandlungen“.

Sowohl Middelhoff als auch Esch sind mit weiteren Klagen konfrontiert. So versucht Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch wegen angeblicher Pflichtverletzungen und überhöhter Bonuszahlungen Schadenersatz von Middelhoff einzuklagen. Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz hat Esch und das Bankhaus Sal. Oppenheim wegen Falschberatung auf Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagt. Jahel Mielke

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