• "Ein Brief darf 80 Pfennige kosten" - Der Vorsitzende des Verbandes für Post und Telekommunikation im Gespräch

Wirtschaft : "Ein Brief darf 80 Pfennige kosten" - Der Vorsitzende des Verbandes für Post und Telekommunikation im Gespräch

Herr Hübner[was darf ein Brief in Deutschlan]

Wilhelm Hübner ist Vorsitzender des Verbandes für Post und Telekommunikation, der die Interessen der Wettbewerber der Post vertritt.

Herr Hübner, was darf ein Brief in Deutschland kosten?

Nicht mehr als 80 Pfennige.

Woher wissen Sie das?

Wir haben den Durchschnitt von zehn Hochlohnländern in Europa gebildet. Der Schnitt liegt bei 72 Pfennigen.

Warum verlangt die Post dann 1,10 Mark?

Weil sie 99,5 Prozent des Marktes in Deutschland kontrolliert und dieses Monopol von der Bundesregierung gedeckt wird. Obwohl die Regulierungsbehörde den Preis eigentlich im Sommer senken wollte, hat der Wirtschaftsminister das verhindert.

Warum?

Weil sich der Bund höhere Erlöse aus dem Börsengang der Post verspricht. Die Post ist nicht wettbewerbsfähig und veschleiert das durch Monopolgewinne im Briefverkehr.

Der Vorstandschef der Post bestreitet das.

Wenn es keine Quersubventionierung gibt, warum veröffentlicht die Post die Gewinne aus dem Briefmonopol dann nicht?

Wenn es kein Postmonopol mehr gibt, dann müssen die Leute auf dem Dorf wahrscheinlich mehr Geld für Briefe bezahlen, weil es kaum jemanden gibt, der dieses teure Geschäft übernehmen wird.

Das ist alles Propaganda. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln funktioniert ohne Monopol. Und schon heute gibt es keinen Preisunterschied, ein Paket in die Großstadt oder aufs Land zu schicken. Warum sollte das bei Briefen nicht funktionieren?

Sie haben bei der EU-Kommission gegen das Monopol und die Preisgestaltung der Post interveniert. Wann erwarten Sie eine Entscheidung?

Demnächst. Die Konsortialführer der Post benötigen diese Entscheidung, um die Folgen daraus in den Börsenprospekt aufzunehmen.

Welche Folgen hätte eine Abmahnung wegen der Monopolausnutzung?

Die Post müsste Milliardenbeträge an den Bundeshaushalt abführen, aus dem sie wettbewerbswidrig subventioniert wird.

Das wäre fatal für den Börsengang der Post.

Der Börsengang wird ohnehin übeschätzt. Im Gegensatz zum Telefonmarkt ist das Rationalisierungspotenzial im Postmarkt begrenzt. Auch künftig muss jedes Paket per Hand ausgetragen werden. Ohne Monopol winken nicht so riesige Gewinne. Mit Hübner sprach Antje Sirleschtov

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