Wirtschaft : Ein Buch mit 18 000 Seiten

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Urlaubszeit ist Lesezeit. Ein kurzweiliger Roman für den Strand, ein Krimi für verregnete Tage im Hotel – da stellt sich nur die Frage, welches Buch noch ins Reisegepäck passt. Für den Besitzer eines elektronischen Buches, eines so genannten E-Books, kaum Grund für längere Überlegungen. Mitgenommen wird alles, was gefällt.

Bei einem Speichervolumen von bis zu 45 Büchern kein Problem, nur der Geldbeutel kann einem hier noch Grenzen setzen - denkt man. Eine Umfrage unter Besitzern des meistverkauften E-Books, des „Rocket eBook“, ergab freilich, dass die mobile Nutzung des Geräts nicht im Vordergrund der Kaufentscheidung steht. Am schönsten liest es sich weiterhin daheim im Bett oder auf dem Sofa. Allenfalls auf Bahnfahrten wird das E-Book noch mitgenommen, jedoch kaum in „freier Natur“ genutzt. Der Grund ist nahe liegend: Die Displays genügen in geschlossenen Räumen den Anforderungen, aber im Freien - bei direktem Sonnenlicht - sind sie eher eine Zumutung.

Dass man bislang kaum Menschen sieht, die auf einer Parkbank ihr E-Book „aufgeschlagen“ haben, hat jedoch noch andere Gründe. Neben den hohen Anschaffungskosten gilt als größtes Manko, dass E-Book nicht gleich E-Book ist, und längst nichts jedes Buch auf jedem Gerät gelesen werden kann. Doch welche Typen sind gebräuchlich? Bei den eigentlichen E-Books, die wegen ihres Taschenbuch-großen Displays am ehesten als Buchersatz taugen, sind die beiden Geräte der US-Firma Gemstar zu nennen. Das „Rocket eBook“ mit seinem Graustufen-Display (199 Euro) ist am weitesten verbreitet. Im letzten Jahr kam das Gemstar-Gerät „GEB2200“ (rund 500 Euro) hinzu, das über einen Farbdisplay verfügt. Beide Geräte können Bücher darstellen, die im Gemstar-Format gespeichert sind. Hierfür gibt es die größte Auswahl an Titeln. Mit einem etwas kleineren Bildschirm ist der „eBookman“ von Franklin (ab 280 Euro) ausgestattet. Das Gerät spielt auch MP3-Musikstücke ab, kann jedoch nur Bücher darstellen, die im Mobipocket-Format vorliegen. Daneben können einige Organizer mit E-Books umgehen. Schmöckerstimmung kommt jedoch bei den Zigarettenschachtel-großen Displays nicht auf.

Immerhin hat sich bei der Bücher-Auswahl inzwischen einiges getan. Der Online-Buchhändler BOL.de wirbt in seinem Internet-Angebot damit, dass inzwischen über 1000 Titel zur Verfügung stehen. Unter den Neuerscheinungen finden sich beispielsweise der Elizabeth-George-Thriller „Nie sollst du vergessen“ (27 Euro), der Science-Fiction-Autor Neal Stephenson mit „Cryptonomicon“ (29 Euro) oder die Biografie zu Gerhard Schröder von Jürgen Hogrefe (19,91 Euro). Auch Martins Walsers Skandal-Buch „Tod eines Kritikers“ steht für 19,90 Euro in der Online-Bibliothek. Abgerechnet wird bei BOL.de wie beim Wettbewerber dibi.de über Kreditkarte.

Die Anzahl der Bücher, die auf ein E-Book passen, fällt unterschiedlich aus, die Speicherkapazität des Rocket eBook wird mit 18 000 Seiten angeben. Bei einem Gewicht von etwas über 600 Gramm ist das Gerät mit einem Akku ausgerüstet, der das Gerät für 20 Stunden mit Strom beliefert. Beim rund ein Kilo schweren GEB2200 reicht die Akkuladung sechs Stunden. Kurt Sagatz

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