Wirtschaft : „Ein Chip kann keine Dialekte“

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Frau Kirchner, im Future Parc kann man einen Blick in die Zukunft werfen. Wie sieht sie denn aus, die Zukunft?

Sie dürfen von dieser Cebit keinen Durchbruch neuer Leittechnologien erwarten. Es gibt aber Sachen, die Visionen erlauben, die Seamless Services zum Beispiel, schnittstellenlose Verbindungen. Sie sehen sonntags zu Hause fern und fahren am Nachmittag mit der Familie zur Oma. Während der Fahrt schauen Sie im Auto auf einem Flachbildschirm weiter. Das ist nicht unbedingt das, was die Welt braucht, kann aber Sinn machen.

Wer stellt im Future Parc aus?

Im Future Parc sind hauptsächlich Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer Institut oder das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz vertreten. Die arbeiten zum Beispiel an der Sprachtechnologie und stellen eine sprechende Kamera vor. Das ist ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie die Zukunft aussehen könnte.

Gerade die digitale Spracherkennung wird schon seit Jahren als neues Thema vorgestellt, bisher aber ohne Erfolg.

Da ist was dran. Als ein Kollege von mir kürzlich aus Indien zurückkam, erzählte er, dass es dort dutzende Dialekte gibt. Stellen Sie sich mal vor was passiert, wenn ein Computerchip da ein Telefongespräch übersetzen soll. So etwas funktioniert, wenn es auf den Sprachschatz einer Person eingestellt wird, aber es sind keine marktfähigen Geräte.

Wie viele der gezeigten Erfindungen landen überhaupt mal in den Läden?

Das ist sehr abhängig von der Forschungspolitik in den einzelnen Bundesländern. In Bayern zum Beispiel steckt das Ministerium sehr viel Geld in Forschung und Entwicklung. Die haben deutlich mehr Patentanmeldungen als wir in Berlin.

Mit dem Future Market haben Sie einen neuen Ausstellungsteil dabei, der nicht nur Ideen, sondern Produkte kurz vor der Markteinführung vorstellt. Warum?

Wir zeigen ganze Produktentwicklungen, um den Prozess für den Durchschnittsbesucher der Cebit greifbarer zu machen. Wir wollen Forschung auf ein allgemein verständliches Niveau herunter bringen, ohne die Inhalte zu verjuxen.

Wie wird das aussehen?

Eine Attraktion wird die Graphikkarte sein, die die Universität des Saarlands entwickelt hat. Mit der werden 3D-Graphiken von einem VW Golf erzeugt und neben ein echtes Auto gestellt. Die Unterschiede sieht man kaum noch. Dieses Projekt wird sicher Aufsehen erregen.

Wird das auch die Besucher begeistern?

Wir erwarten jedenfalls ein größeres Interesse beim breiten Publikum. Obwohl die wirklichen Eliteforscher es nicht so schön finden, wenn die Werbegeschenkjäger in die Forschungshalle kommen. Wir brauchen eine gute Mischung.

Das Gespräch führte Stefan Kaiser.

Michaela Kirchner

ist Projektleiterin bei der TU Berlin Service- Gesellschaft. Die 42-Jährige koordiniert das Marketingkonzept des Ausstellungsteils Future Parc, des Ideenzentrums der Cebit.

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