Wirtschaft : Ein Dutzend Mal unterbrochen

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Die Tarifparteien haben am Donnerstag und Freitag einen Verhandlungsmarathon absolviert, der letztlich erst nach mehr als 20 Stunden zum Erfolg führte. Mit bleichen Gesichtern verkündeten IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann und Stefan Roell von Südwestmetall in der Stadthalle das Ergebnis einer der längsten Tarifverhandlungsrunden. Seit Donnerstagnachmittag hatten die Tarifparteien mindestens ein Dutzend Mal die Verhandlungen unterbrochen , um den Stand der Dinge in kleinem Kreis zu diskutieren.

Dass der Abschluss von Sindelfingen Pilotcharakter haben sollte, war schon daran zu erkennen, dass mit IG Metall-Chef Jürgen Peters und seinem Vize Berthold Huber sowie Gesamtmetallchef Martin Kannegiesser die „Oberhäuptlinge“ in die Autostadt bei Stuttgart gekommen waren. Entweder saßen die Mitglieder dieses Trios in ihren Hotels und ließen sich dort über die Verhandlungspositionen informieren oder sie kamen selbst in die Stadthalle – immer sorgsam abgeschirmt. Dann standen die Bundesspitzen abseits der Verhandlungsgruppe, um Zettel auszutauschen und eifrig zu diskutieren.

Wie kompliziert die Materie war, zeigte sich in den ungewöhnlich zurückhaltenden und diplomatischen Formulierungen der Sprecher in den langen Verhandlungsstunden. „Sehr konstruktiv“, manchmal aber auch nur „konstruktiv“ liefe alles, wurde berichtet. „Die Verhandlungen standen zeitweise auch Spitz auf Knopf “, gab Hofmann später zu. Kannegiesser sagte, dass es Freitagvormittag auf der Kippe gestanden habe. „Es war ein hartes Ringen um ein ausgewogenes Ergebnis“, sagte Kannegiesser. Auch für Verhandlungsführer Hofmann auf der IG-Metall-Seite gab es keinen Grund zum euphorischen Jubeln: „Es ist ein Ergebnis mit Augenmaß, aber ohne Bescheidenheit, das in die Zeit passt.“ dpa

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