Wirtschaft : Ein Experte an der Spitze der Notenbank Zhou gilt als marktwirtschaftlich orientiert

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An der Spitze von Chinas Nationalbank steht Zhou Xiaochuan. Zhou gilt als einer der besten Finanzexperten des Landes und als aggressiver Reformer. Dabei versucht er aber immer die Stabilität der chinesischen Wirtschaft im Auge zu behalten. Seine Parole lautet Professionalität und Vorsicht. Er versteht darunter „gewissenhaft“ zu arbeiten, dass heißt aber, es wird nicht mehr marschiert, sondern getrippelt. Internationale Beobachter bezeichnen den chinesischen Notenbankchef als „marktwirtschaftlich orientiert“.

Als Präsident der Notenbank verspricht Zhou denn auch die Kreditversorgung im ländlichen Bereich zu verbessern, Kleinunternehmen und den Dienstleistungsbereich stärker zu berücksichtigen. Zudem will Zhou den Wettbewerb unter den chinesischen Banken verstärken und hat deshalb das rigide Zinssystem gelockert. Interne Reformen haben bei Chinas Notenbankchef Vorrang.

Mit der Marktwirtschaft hat Zhou schon an anderer Stelle seine Erfahrungen gesammelt. Während der Asienkrise Ende der 90er Jahre war er Leiter der Behörde für Wechselkurspolitik. Während in den anderen asiatischen Ländern die Kurse abstürzten, gelang es ihm, den Yuan stabil zu halten. Bevor Zhou an die Spitze der Notenbank aufrückte, war er Leiter der Börsenaufsicht CSRC. In dieser Eigenschaft hat er sich unter chinesischen Investoren, die die Börse oft als eine Art Spielcasino sahen, viele Feinde gemacht. Zhou verschärfte nämlich den Kampf gegen Bilanzfälschungen und Insidergeschäfte, was die Kurse drückte. Zum Börsencrash kam es schließlich, als die Börsenaufsicht plante, den Staatsanteil chinesischer Börsenunternehmen zu senken. Aus Angst vor einer Aktienschwemme und mangelnder Liquidität zogen sich die Investoren zurück. Zhou reagierte prompt und kassierte das Vorhaben wieder.

Den Forderungen, insbesondere des US-Notenbankchefs Alan Greenspan, den Yuan aufzuwerten, blieb Zhou bisher verschlossen. Seine Devise lautet: „Wir werden den Wechselkursmechanismus kontiniuierlich verbessern“. An anderer Stelle sprach Zhou in diesem Zusammenhang sogar von „perfektionieren“. Das gegenwärtige System, entspreche Chinas ökonomischer Situation, heißt auch die Begründung der chinesischen Regierung. Zhous offizielle Überzeugung lautet: „Ein stabiler Yuan ist nicht nur im Interesse der Entwicklung Chinas, sondern auch Asiens und der Welt.“

Geboren 1948 im Norden Chinas, hat Zhou an der Tsinghua-Universität in Peking studiert. Diese Hochschule gilt in China als Elite-Universität. Auch Präsident Hu Jintao und Zhous Förderer der Ex-Premier und einflussreiche „Wirtschaftszar“ Zhu Rongji haben dort studiert. dr

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