Wirtschaft : Ein Franzose wird Chef von Sanofi-Aventis

Früherer Aventis-Vorstand Igor Landau muss gehen/Betriebsrat sorgt sich um deutsche Arbeitsplätze

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Paris/Frankfurt (Main) (ali/ro). Mit Unterstützung der französischen Regierung hat der Pharmakonzern SanofiSynthélabo nach monatelanger Übernahmeschlacht den Milliardenpoker um Aventis gewonnen. Der deutsch-französische Pharmakonzern gab seinen Widerstand auf, nachdem Sanofi sein Angebot um fast sieben Milliarden Euro erhöht hatte. Damit hat Frankreich sein Ziel erreicht, den größten europäischen und weltweit drittgrößten Pharmakonzern im eigenen Land zu schaffen. Deutsche Arbeitnehmer waren besorgt. Die EU-Kommission genehmigte die Fusion unter Auflagen. Die Aktien von Sanofi und Aventis gaben deutlich nach.

Nach 48 Stunden Verhandlungen ist aus dem feindlichen Angriff von Sanofi-Synthélabo eine freundliche Übernahme des Wettbewerbers Aventis geworden. Sanofi hat die Barkomponente seiner Offerte erhöht und bietet den Aventis-Eignern nun 68,93 Euro je Aktie. Damit zahlt Sanofi 55,3 Milliarden Euro für Aventis, das Ursprungsangebot von Mitte Januar lag bei 48,5 Milliarden Euro. Mitbieter Novartis teilte mit, wegen des großen Drucks seitens der französischen Regierung habe man sich entschlossen, das Angebot für Aventis zurückzuziehen.

Sanofi kam dem Aventis-Management bei der Verteilung von Schlüsselposten entgegen: Der Verwaltungsrat wird neben Sanofi-Chef Jean-François Dehecq künftig 16 Mitglieder umfassen: Je acht stammen von Aventis und Sanofi. Der Vizepräsident soll zudem ein Deutscher sein. Auch die Ausschüsse des Verwaltungsrates wie der neue Integrationsausschuss sollen nach Aussage von Dehecq jeweils paritätisch besetzt werden. Der neue Name der Gruppe wird Sanofi-Aventis sein, das Unternehmen wird künftig von Sanofi-Chef Dehecq geleitet. Aventis-Chef Igor Landau scheidet aus dem Unternehmen aus.

Dank dieser Zugeständnisse hatte der Aufsichtsrat von Aventis am Sonntagabend nach wochenlangem Widerstand der Übernahmeofferte mehrheitlich zugestimmt. Allerdings haben zwei Arbeitnehmer-Vertreter gegen die Übernahme gestimmt. Der Vertreter des größten Einzel-Aktionärs, die kuwaitische KPC, hat sich nach Angaben von Aventis der Stimme enthalten.

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz beider Unternehmenschefs in Paris ließ Dehecq am Montag Landau zuerst das Wort: „Ich bin zufrieden mit der Vereinbarung, da sie den Interessen der Aventis-Aktionäre entgegenkommt und den wahren Wert des Unternehmens widerspiegelt“, sagte Landau.

Sanofi-Chef Dehecq bekräfigte das Ziel, ab 2006 Synergien von 1,6 Milliarden Euro erwirtschaften zu wollen. „Ich zerschlage aber kein Unternehmen, nur um Synergien zu erreichen.“ Wichtiger als Kosteneinsparungen seien die Wachstumsperspektiven.

Dehecq bekräftigte sein Interesse am Aventis-Standort in Frankfurt (Main): „Eine starke Niederlassung in Deutschland ist extrem wichtig, der Forschungsstandort von Aventis bietet uns Chancen.“

Der Aventis-Betriebsrat befürchtet den Abbau von Stellen in Frankfurt. Dort arbeiten allein 7800 der 9000 deutschen Aventis-Mitarbeiter. Er verlangte Zusagen für eine Beschäftigungsicherung. Für Dienstag ist eine Demonstration in Frankfurt geplant.

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