Wirtschaft : Ein Geschenk als Chance

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Die EU ist mit China handelseinig: Die „Bürde“ chinesischer Textilien, die sich in europäischen Lagern angehäuft hat, wird geteilt. Unklar ist dabei, was an bestellten Kollektionen eine Bürde ist; aber Europa wie China werden für das Problem bezahlen, das die EU geschaffen hat. Die Kleidungsstücke dürfen eingeführt werden und dafür wird die Zahl der Textilien, die China 2006 einführen darf, reduziert.

Dieser „Kompromiss“ ist ein Sieg für europäische Hersteller und ihre protektionistischen Regierungen, die die EUKommission drängten, Importbeschränkungen einzuführen. So sichern sie sich Aufträge, die sonst nach China gegangen wären. Man kann nur hoffen, dass Europas Produzenten dieses Geschenk als Chance nehmen, sich bald der internationalen Konkurrenz zu stellen.

Die Händler sind mit der Einigung zufrieden, da sie jetzt ihre schon bezahlten Waren verkaufen können. Das internationale System der Einfuhrzölle für Textilien aus China ist jedoch schon am 1.Januar gefallen – es muss sich noch herausstellen, ob die EU ihren Abschluss ernst nimmt.

Der Kompromiss gelang kurz vor dem Treffen von Chinas Präsidenten Hu Jintao und dem britischen Premier Tony Blair auf Drängen von EU-Kommissar und Blair-Freund Peter Mandelson. Bevor ernsthaft über freien Handel diskutiert wird, müssen alle Mitgliedstaaten davon überzeugt werden. Dazu müssen sie sich klar werden, dass sie sich selbst schaden, wenn sie Europas Händlern den Verkauf ihrer in China bestellten Ware verweigern.

Natürlich verhält sich nicht nur Europa gegenüber China auf diese Weise. Sogar der EU-Kompromiss ist besser als alles, was die USA hier erreicht haben. Washington hat neue Importquoten für chinesische Textilien festgelegt. Sie ignorieren so Millionen von amerikanischen Familien, die billigere Waren gut brauchen könnten. Es ist schön zu sehen, dass David Ricardos Theorie der unterschiedlichen Vorteile, die die Länder gegenüber einander haben, in der EU in die Tat umgesetzt zu werden scheint. Man stelle sich vor, Länder wie China oder Indien könnten ihre Vorteile nutzen und an dieser Arbeitsteilung teilhaben.

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