Wirtschaft : Ein Geschenk vom Kanzler

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Wolfsburg/Berlin (dpa/mo). Mitarbeiter von Autokonzernen, die einen Neuwagen vom Werk mit Mitarbeiterrabatt kaufen, sollen nach einem Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder in Zukunft weniger Steuern zahlen. Bislang muss der gewährte Preisnachlass als geldwerter Vorteil versteuert werden. Allerdings gibt es bereits einen hohen Freibetrag sowie diverse Abschläge, mit denen die Steuerlast erträglicher wird. Diese Vorteile verursachen laut Subventionsbericht in diesem Jahr Steuerausfälle von 72 Millionen Euro. Der Kanzler sagte am Donnerstag auf einer Betriebsversammlung von Volkswagen vor rund 11 000 Mitarbeitern, es müsse geprüft werden, ob die Abschaffung des Rabattgesetzes Folgen für diese Regelung habe. Mittlerweile könne jeder Kunde steuerfreie Rabatte bei Händlern aushandeln. Schröder schlug vor, die durchschnittlichen Rabatte zu ermitteln, die Autohändler ihren Käufern gewähren. Dieser Teil müsse dann auch bei den Werksangehörigen von der Steuer freigestellt werden, sagte Schröder. Er räumte aber ein, dass Bundesfinanzminister Hans Eichel noch Vorbehalte gegen eine Steuerrechtsänderung habe.

VW-Gesetz verteidigt

Schröder lehnte vor den VW-Beschäftigten jede Änderung des so genannten VW-Gesetzes ab. „Unter meiner Führung wird es zu diesem Gesetz in Deutschland keine Änderungen geben, und wir werden jeden bekämpfen, der eine Veränderung herbeiführen will“, sagte der Kanzler mit Blick auf entsprechende Pläne der EU-Kommission. Bei den Mitarbeiterrabatten gewähren Autohersteller zwischen 15 und 20 Prozent auf den Listenpreis für Neufahrzeuge. Am meisten Nachlass gewährt Mercedes mit 20 Prozent. Bei VW erhalten Werksangehörige beim Kauf eines Wagens aus dem Haus nach Auskunft eines Unternehmenssprechers rund 16 Prozent Rabatt. Nach früheren Angaben verkauft VW pro Jahr 60 000 Autos am Mitarbeiter. Wie der Automobilverband mitteilte, wurden 2001 rund 175 000 Neufahrzeuge an Mitarbeiter der Autokonzerne verkauft, das entsprach rund fünf Prozent der 3,34 Millionen Neuzulassungen in Deutschland.

Eine Modellrechnung für einen VW-T4-Minivan: Der Hersteller gibt eine unverbindliche Preisempfehlung von 36 000 Euro. Davon wird ein „Händlerabschlag“ von 6,5 Prozent abgezogen, also rund 2300 Euro und eine „Auslieferungspauschale“ (etwa 300 Euro) draufgeschlagen. Von dem sich daraus ergebenden „Händler-Hauspreis“ werden nun vier Prozent Bewertungsabschlag subtrahiert. Unterm Strich steht nun ein Preis von rund 32 500 Euro, den ein normaler Kunde beim Autohändler zahlen würde. Der VW-Mitarbeiter bekommt das Auto von seinem Arbeitgeber aber für 28 500 Euro. Er zahlt also 4000 Euro weniger, die als geldwerter Vorteil versteuert werden müssen. Von diesen 4000 Euro wird wiederum ein steuerlicher Freibetrag von 1224 Euro abgezogen. So bleiben schließlich 2776 Euro, die gewissermaßen dem Gehalt des VW-Mitarbeiters zugeschlagen werden und voll steuer- und abgabenpflichtig sind.

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