Wirtschaft : Ein Geschenk zur rechten Zeit

Tewe Pannier

Seit Wochen reden wir über das Geschäft, Ali, seine Leute und ich. Immer aneinander vorbei. Arabisch-Lektion für deutsche Anfänger: „Wir sind an diesem Produkt sehr interessiert“, bedeutet: „Lass mich bloß mit dem Quark in Ruhe.“ „Ja, ich schicke dir gerne morgen eine Bestätigungs-E-Mail“ ist eine umständliche Art zu sagen: „Ich habe keinen Computer.“ „Wir treffen uns Samstag um fünf im Hilton-Hotel in Dubai und machen das Geschäft“, heißt: „Mein Flug in den Sudan ist gebucht, und Samstag um fünf bin ich auf gar keinen Fall in Dubai.“

Aber heute kann es passieren! Ali hat sein Team im Konferenzzimmer seiner Firma, einer ockerfarbenen 430-Quadratmeter-Villa mit Palmengarten, versammelt: den dicken Finanzchef aus Ägypten, den IT-Chef aus Abu Dhabi, einen sehr dünnen „Direktor“ aus dem Sudan. Und Leila (Libanon), die nur als Leila vorgestellt wird und gar nichts sagen wird. So sehr, wie die meisten Frauen am Golf ihre Reize unter Stoff verstecken, so sehr tut sie es nicht. Ihr Beruf: Dekoration.

Auftritt Ali im weißen Gewand. Sein Stuhl mit der höchsten Lehne steht am Tischende. Ali setzt sich, grüßt patriarchisch-warmherzig in die Runde. Die Verhandlungen beginnen. Die Höhepunkte: 15-Minuten-Gespräch zwischen Ali und einem Unbeteiligten, der in den Raum schneit; Brüllduell zwischen dem Ägypter und dem Sudanesen, keine Ahnung, ob es um unsere Sache geht; viele, sehr laute Handy-Gespräche; unbewegtes, dekoratives Schweigen von Leila.

Keinen Zentimeter kommen wir uns entgegen. Wie so oft geht es nur noch um den Preis. Meine Nerven liegen blank. Pause auf dem Flur, Anruf beim libanesischen Freund Nabil: „Was soll ich tun?“ Er rät: „Gib ihnen ein Geschenk!“

Zurück im Tumult. Niemand scheint mich vermisst zu haben. Ich lege das Geschenk auf den Tisch: „Ali, statt einer Lizenz von einem Jahr bekommst du 13 Monate zum gleichen Preis.“ Plötzliche Stille. Leila kann lächeln! Alle schauen mich an. Ali breitet die Arme aus und steht auf: „Perfekt! Wie großzügig, welche Freude, mit dir Geschäfte zu machen!“ Während er mich umarmt, klingelt sein Handy.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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