Wirtschaft : Ein Gespräch mit Wilhelm Hankel, Professor für Währungspolitik

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Wilhelm Hankel ist Professor für Währungspolitik in Frankfurt. 1997 zog er gegen den Euro vor das Bundesverfassungsgericht.

Herr Hankel, der Euro fällt und fällt, was haben die Europäer bei der Einführung der Gemeinschaftswährung falsch gemacht?

Zwei katastrophale Fehleinschätzungen stehen am Anfang der überhasteten Euro-Einführung. Erstens: Deutschland sei durch die Wiedervereinigung zu stark geworden und müsse deshalb seine D-Mark opfern. Zweitens: Eine Währungsunion sei ein Ersatz für eine politische Union in Europa. Jetzt sieht man klarer. Deutschland hat durch die Wiedervereinigung nicht an Stärke gewonnen, sondern an Problemen. Sie alle hätten sich mit der D-Mark besser lösen lassen als ohne. Und man hat sich mit dem Euro statt Dynamik für Europa Dynamit eingehandelt.

Ist uns das "Blaue vom Himmel" versprochen worden?

Mit dem Versprechen der Euro sei und bleibe so hart wie die D-Mark: Ja. Der Euro kann mit der Hereinnahme von immer neuen Schwachwährungen - siehe Drachme und Zloty - nur immer schwächer und nicht stärker werden. Genau dies haben wir vier Kläger zu bedenken gegeben. Leider haben hier sowohl die Karlsruher Richter als auch die Bundesbank versagt. Die Bundesbank hätte den Euro verhindern können.

Was hat die Europäische Zentralbank seit der Einführung versäumt?

Sie hat ihren Vertrauensvorschuss verspielt, denn sie hat statt Berechenbarkeit Unberechenbarkeit geliefert. Sie hat die Zinsen der Konjunktur und nicht der Stabilität wegen unter die Dollarparität gesenkt und damit die Talfahrt des Euro ausgelöst. Sie hat die Geldmenge aus dem Ruder laufen lassen, trotz des wachsenden Inflationsgefälles in der Europäischen Union von inzwischen über 50 Prozent. Sie hat ihre unzureichenden Maßnahmen oft wochenlang vorher angekündigt und sich dann gewundert, dass sie nicht gegriffen haben. So handeln keine Profis.

Was kann die EZB überhaupt tun?

Die EZB ist das Opfer des Maastricht-Vertrages. Sie ist nur für die Geld- aber nicht für die Fiskalpolitik zuständig. Ohne die Mitwirkung von heute elf und morgen 20 oder mehr Finanzministern hat sie gar keine Chance den Euro zu stabilisieren - es sei denn um den Preis eines "Overkill" von Konjunktur und Beschäftigung durch extrem hohe Zinsen.

Sollten die Notenbanken intervenieren?

Es wäre das Törichste, was sie tun könnten angesichts geballten Potenzials und Misstrauens der internationalen Finanzmärkte. Inzwischen gibt es nicht einen Soros sondern 10 000 kleine.

Darf jetzt über Beitrittskandidaten, beispielsweise Griechenland, nachgedacht werden?

Es wäre die größte politische Fehlhandlung der EU, die Erweiterung zu wollen, ohne die inneren Strukturen der EU vorher festzulegen. Mit der Erweiterung wächst der Subventionsbedarf für die schwachen Kandidaten ins Gigantische und man hat weder Geld dafür noch eine politische Lösung.

Müssen wir Angst um das Ersparte haben?

Leider schon deswegen, weil der deutsche Bankenapparat total versagt hat. Statt rechtzeitig vor den mit dem Euro drohenden Inflationsgefahren zu warnen, hat man die Politiker sogar bei der überhasteten Euroeinführung bestärkt und sich zunehmend mit falschen Prognosen blamiert.

Wie lange wird es den Euro noch geben?

Man kann ihn nur noch retten, indem man den für 2002 geplanten Zwangsumtausch verschiebt. Solange unsere Bürger noch die D-Mark im Portemonnaie haben, und der Euro nur eine Phantomwährung an der Börse ist, besteht die Chance, die gemachten Fehler zu korrigieren. Das Gespräch führte Daniel Rhée-Piening.

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