Wirtschaft : „Ein halber Prozentpunkt würde die Märkte freuen“

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Herr Hombrecher, rechnen Sie mit einer Senkung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank?

Ja, wir erwarten, dass die EZB den Satz um einen halben Prozentpunkt senken wird.

Die meisten Beobachter sind da skeptischer und rechnen nur mit einer Senkung des Satzes um 0,25 Prozent ...

In den Finanzmarktfutures ist bereits der Schnitt um einen Viertelprozentpunkt eingepreist. Aber wenn sich die EZB schon zu einer Senkung durchringt, dann sollte sie auch deutlich sein.

Welche Folgen haben niedrigere Zinsen?

Kurzfristig ist keine Wirkung zu erwarten. Die zeitliche Verzögerung zwischen Zinssenkung und und realwirtschaftlichen Folgen liegt bei etwa drei Quartalen. Und die Probleme der europäischen Wirtschaft liegen nicht in einem zu hohen Zinsniveau. Besser wäre es also, wenn die Senkung in ein politisches Reformkonzept eingebettet wäre.

Welchen Sinn hat billigeres Geld dann überhaupt?

Es führt vor allem zu einer Stimmungsverbesserung. Und die Aktienmärkte würden eine Senkung um einen halben Prozentpunkt mit Freuden registrieren. Die Entwicklung an den Börsen hat niedrigere Zinsen bereits vorweggenommen.

Droht ein Rückschlag bei den Notierungen, sollte die EZB hart bleiben?

Ja. Andererseits sprechen aber vor allem technische Gründe für eine Jahresendrallye. Zum Beispiel laufen Futures aus, da haben einige institutionelle Anleger ein Interesse, die Märkte in die richtige Richtung zu bewegen. Und eine gute Stimmung in den USA schwappt auch zu uns rüber. Wir hängen ohnehin im Schlepptau der amerikanischen Märkte. Ein eigenständiges Leben führen wir ja kaum.

Das Gespräch führte Bernd Hops.

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