Wirtschaft : Ein Höllenhund, der Firmen frisst

Der US-Fonds Cerberus ist finanziell sehr erfolgreich – nur mit seinem Image hat er Probleme

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Von Randall Smith In der griechischen Mythologie ist Zerberus der blutgierige dreiköpfige Hund, der den Eingang zur Unterwelt bewacht. Eine Spezialität der Beteiligungsgesellschaft Cerberus Capital Management LP ist es, in Unternehmen zu investieren, die am Rande der Insolvenz stehen.

Für den Unternehmensgründer Stephen Feinberg, den ExKapitän der Tennismannschaft von Princeton, hat der furchterregende Name Einschüchterungswert. Der ehemalige Reserve-Fallschirmjäger der US-Armee jage Hirsche, wenn er nicht gerade hinter Finanzdeals her sei und fahre einen alten Ford Pick-up, sagen Freunde und Kollegen.

Cerberus, ein auf 16 Milliarden US-Dollar (13 Milliarden Euro) Wert geschätztes Unternehmen, hat seine Geschäftstätigkeit von Investitionen in marode Firmen auf Kredite, Immobilien und den Aufkauf gesunder Unternehmen verlagert, darunter auch den deutschen Versicherer Gerling. Die Größe des Unternehmens ist seit 2000, als es auf fünf Milliarden Dollar geschätzt wurde, stetig gewachsen. Feinberg ist dabei trotz seiner Vorliebe für das einfache Leben reich geworden.

Um das aggressive Image, das es in der harten Arena der Konkursgerichte gewonnen hatte, zu verlieren, hat Cerberus jetzt Dan Quayle, den früheren Vizepräsidenten der USA, als Botschafter eingestellt. Dieser soll dem Unternehmen Türen öffnen. Quayle, der seit 2000 in Vollzeit für Cerberus arbeitet, ist Präsident der Cerberus Global Investments LLC. Er habe, sagt Quayle, Cerberus zum Beispiel bei dem Aufkauf von Anteilen der MCI, der früheren (insolventen) Worldcom, geholfen. Quayle diente von 1989 bis 1993 der Regierung Bush ebenso wie Richard Breeden, der Ex-Präsident der Börsenaufsichtsbehörde, der MCIs gerichtlich bestellter Beobachter war.

Cerberus war auch an Übernahmen gesunder Unternehmen beteiligt. Sie waren oft Ableger größerer Konzerne wie beispielsweise eine Einzelhandelsabteilung von Target, ein Papiergeschäft der Mead-Westvaco und das LNR Immobiliengeschäft, das einst Teil des Bauunternehmens Lennar war.

Weil Cerberus während des Börsencrashs in den Jahren 2000 bis 2003 stark in insolvenzgefährdete Unternehmen wie Worldcom investierte, profitierte es von dem nachfolgenden Boom. Aber Cerberus hat auch Anteile an einigen Unternehmen gehalten, die zahlreiche Reisen zu den Insolvenzgerichten angetreten haben, wie der Musikhändler Wherehouse Entertainment.

Jetzt hat die Firma Anchor Glass Container bekannt gegeben, dass sie zum dritten Mal innerhalb von zehn Jahren Insolvenzantrag stellen wird. Gerade einmal vor zwei Jahren ist Anchor mit einem Emissionsvolumen von 120 Millionen Dollar, von dem Cerberus zwei Drittel kassierte, an die Börse gegangen.

Cerberus ist bekannt für seine harten Taktiken. So hatte die Gesellschaft in letzter Minute ihre Investitionen in die Teleglobe Communications und die ICG Communications gekürzt. Cerberus sagt, es sei zu diesen Kürzungen bei einer nachteiligen Entwicklung vertraglich berechtigt gewesen.

Cerberus-Chef Feinberg selbst hat nichts Einschüchterndes an sich. Er trägt dünner werdende, hellbraune Haare und einen Schnurrbart, ist permanent in Bewegung und gilt als bescheiden. Er hat ein kleines Landhaus mit Swimmingpool in Stamford (Connecticut) und ein gewöhnliches Apartment in Manhattan. Auf Geschäftsreisen zieht er das „Holiday Inn“ dem „Hyatt“ vor. Dabei zählte das Magazin „Fortune“ ihn schon 1999 zu den 40 reichsten Amerikanern.

Wenn er von potentiellen Investoren nach Fehlern gefragt werde, könne er „immer weiterreden“, sagt Bob Mast, ein Fondshändler. „Manchmal muss man ihn unter dem Tisch treten.“

Der 45-jährige Feinberg sei im Arbeiterviertel Spring Valley in New York als Sohn eines Veteranen des Zweiten Weltkriegs aufgewachsen, berichtet sein Freund T.K. Duggan von der Durham Asset Management LLC. Feinberg selbst lehnte ein Interview ab. Er arbeitete zunächst bei der Gruntal & Co. und gründete Cerberus im Jahre 1992.

Manche Freunde sagen, Feinberg werde wegen des Firmennamens falsch eingeschätzt. „Das Unternehmen Cerberus zu nennen, war möglicherweise das Schlechteste, was er je getan hat“, sagt Duggan. Das Unternehmen sei kein furchterregender Höllenhund. „Feinberg hat Menschen davor bewahrt, in den Abgrund zu fallen.“

Texte übersetzt und gekürzt von Tina Specht (US-Billigflieger), Svenja Weidenfeld (Cerberus), Matthias Petermann (Agrarsubventionen, Steuern)

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