Wirtschaft : Ein Jahr für mutige Anleger

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Von Henrik Mortsiefer

Der Blick ins Wertpapierdepot zählt zu den unangenehmsten Dingen, die vor Silvester noch erledigt werden müssen. Denn Anleger, die gehofft hatten, sich wenigstens mit einem kleinen Gewinn aus dem BaisseJahr 2002 stehlen zu können, werden enttäuscht: Ob Aktien, Fonds oder Sparpläne – alle Signale stehen auf rot. Das dritte Minus-Jahr in Folge geht zu Ende. Und wie geht es 2003 weiter? Wohin mit den Ersparnissen?

Die Experten stimmen eine Kakophonie der Empfehlungen an. Die meisten aber lagen schon 2002 mit ihren (optimistischen) Prognosen gründlich daneben und sind nun beinah so ratlos wie die Kleinanleger. Und die Chancen, dass sie diesmal richtig liegen, haben sich nicht vergrößert. Zu der Angst vor weiteren Terroranschlägen, die die Börsen Anfang 2002 verunsicherte, sind zum Jahresende neue Unwägbarkeiten getreten: die Kriegsgefahr am Golf, die Steuerpläne der Regierung, die Verfassung des Banken- und Versicherungssystems.

Angesichts dieser Gemengelage hat sich die Augen-zu-und-durch-Strategie bei der Geldanlage überlebt. Aktien zu kaufen und darauf zu hoffen, dass sie steigen, wenn man sie nur lange genug hält, ist nur ratsam, wenn man wirklich viel Zeit hat. 15 oder 20 Jahre, so kalkulieren die Realisten. Bei durchschnittlichen Wertzuwächsen von, optimistisch gerechnet, sechs Prozent pro Jahr. Wer mehr will, muss schneller und riskanter handeln und Verluste verkraften. Das können und wollen die meisten Anleger aber nicht mehr. Darin liegt vielleicht das Fünkchen Hoffnung für 2003: Der Herdentrieb ist vorbei und die Aktie wird wieder das, was sie immer war – ein Risikopapier für Mutige.

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