Ein Jahr nach Fukushima : Keine Angst vor der Dunkelheit

Wir brauchen mehr erneuerbare Energie. Das zu leugnen, gilt heute als politisch höchst unkorrekt. Kritiker der Energiewende gehen daher subtiler vor: Sie warnen vor Stromausfällen und Schäden für die Tourismusbranche.

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Hoch hinaus. 20 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms stammen aus regenerativen Quellen. 2050 sollen es 80 Prozent sein, sagt die Bundesregierung. Foto: Reuters
Hoch hinaus. 20 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms stammen aus regenerativen Quellen. 2050 sollen es 80 Prozent sein,...

Hildegard Müller hat eine Erklärung dafür, warum es im Winter nicht völlig dunkel in Deutschland geworden ist: Es war glückliche Fügung. „Was wäre wohl passiert, wenn in der Kältephase Anfang des Monats erst der Schnee gefallen und dann der strenge Frost aus dem Osten über Europa gezogen wäre?“, fragte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft in einer Rede Ende Februar in Berlin. „Ich glaube kaum, dass unter einer zentimeterdicken Schneedecke dann noch die bis zu zehntausend Megawatt Fotovoltaikstrom in den Mittagsstunden produziert worden wären, die uns in diesen Stunden selbst bei strengstem Frost und hoher eigener Nachfrage zum Nettostromexporteur gemacht haben“, lautete ihre These.

Wenige Tage später, am 13. Februar, hätten Sonnenanlagen und Windräder nach Schnee und bei Flaute plötzlich nur ein Fünfzigstel der theoretisch möglichen 50 Gigawatt geliefert, sagte Müller. Aber auch ihr Verband unterstütze „selbstverständlich die, gleichwohl ehrgeizigen, politischen Ziele zum Ausbau der erneuerbaren Energien und zum Klimaschutz“.

So ein grünes Bekenntnis darf in keiner energiepolitischen Rede mehr fehlen. Kein seriöser Verbandschef oder Politiker will heute, ein Jahr nach Fukushima und bald ein Dreivierteljahr nach den Beschlüssen zur Energiewende, als Ewiggestriger dastehen. Warnte der mächtige Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vor Jahresfrist regelmäßig vor hohen Strompreisen, bedingt durch die Förderung für Strom aus Wind, Biomasse und Sonne, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung: „Die deutsche Industrie hat die Energiewende von Anfang an mitgetragen.“ Der BDI mahnte lediglich eine bessere Verzahnung von „erneuerbaren Energien, Kraftwerken und Netzen sowie Energieforschung und -effizienz an“.

Das klingt zeitgemäßer, ändert aber nichts an der skeptischen Grundposition, die die Industrie seit jeher vertritt: Ja zu Staatsgeld für Energieforschung und den Ausbau der Netzinfrastruktur. Aber bitte keine Förderung per Gießkanne für eine dezentrale Erzeugungsstruktur, in der Eigenheimbesitzer und Bürgergemeinschaften sich und ihre Region selbst versorgen.

Im Jahr eins der Energiewende stieg der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Produktionsmix hierzulande im Jahresmittel von 17 auf 20 Prozent. Windkraft leistete 2011 mit acht Prozent den größten Beitrag, gefolgt von Strom aus Biomasse (fünf), Wasser und Sonne (je drei) und Strom aus Müllverbrennungsanlagen (ein Prozent). Die vier Konzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW, die bisher gut 80 Prozent der benötigten Energie bereitgestellt haben, spielten in diesem Segment bisher eine Nebenrolle. Sie erzeugten ihren Strom überwiegend zentral in fossilen Großkraftwerken.

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