Wirtschaft : Ein Kinderspiel

Ein neues Gesetz macht die Steuererklärung künftig einfacher. Davon profitieren vor allem Familien

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Familien mit Kindern können sich freuen: Für sie wird es künftig leichter, Steuern zu sparen. Auch Arbeitnehmer, die keinen weiten Weg zur Arbeit haben und nur wenig Geld für Fachbücher oder anderes Arbeitsmaterial ausgeben, können sich bei der schwarz-gelben Regierung bedanken. Auch sie profitieren vom Steuervereinfachungsgesetz, das kürzlich von Bundestag und Bundesrat beschlossen worden ist. Auf rund 600 Millionen Euro schätzt das Bundesfinanzministerium die finanzielle Entlastung für die Steuerzahler. Vor allem aber soll das neue Gesetz die Steuererklärung einfacher machen – weniger Papierkram, weniger Belege, weniger Kopfzerbrechen.

WERBUNGSKOSTENPAUSCHALE

Während die meisten Neuerungen erst zum 1. Januar 2012 in Kraft treten, bekommen Arbeitnehmer eine Änderung bereits im Dezember zu spüren. Die von 920 auf 1000 Euro erhöhte Werbungskostenpauschale berücksichtigen die Arbeitgeber schon beim Dezember-Gehalt – und zwar rückwirkend für das gesamte Jahr 2011. Obwohl das Finanzministerium die damit verbundene Entlastung auf 330 Millionen Euro pro Jahr beziffert, hält sich der Effekt für den Einzelnen in Grenzen, warnt der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). „Maximal 34 Euro sind im Jahr drin“, sagt NVL-Sprecherin Martina Bruse. „Im Schnitt macht die Ersparnis jedoch nur drei Euro im Monat aus.“ Von der Neuregelung profitieren all diejenigen, deren Werbungskosten zwischen 920 und 1000 Euro im Jahr liegen. Wer für Computer, Fachbücher, Berufskleidung oder Fahrtkosten über 1000 Euro im Jahr ausgibt, muss auch weiterhin Belege sammeln, um die höheren Kosten beim Finanzamt geltend machen zu können.

PENDLER

Einen Wermutstropfen hält das neue Gesetz jedoch für die Pendler bereit, die per Park & Ride unterwegs sind – also mit dem Auto zum Bahnhof fahren und dann den Regionalzug, die S- oder U-Bahn in die Stadt nehmen. Sie konnten bislang bei den Werbungskosten die Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer mit den tatsächlichen Kosten für die Fahrtickets kombinieren. Ab 2012 können sie nur noch die Pauschale geltend machen.

KINDERGELD

Die größten Gewinner des neuen Gesetzes sind die Familien. Eltern mit volljährigen Kindern müssen ab dem nächsten Jahr nicht mehr mühsam alle Einnahmen und Ausgaben des Nachwuchses auflisten, um das Kindergeld zu verteidigen. Denn bislang gilt: Verdient das Kind nur einen Cent mehr als den steuerlichen Grundfreibetrag von 8004 Euro im Jahr, wird das Kindergeld komplett gestrichen – mit allen Konsequenzen, die an den Bezug dieser Leistung sonst noch geknüpft sind. Ab 2012 dürfen volljährige Kinder so viel verdienen wie sie wollen, das Kindergeld wird dennoch weitergezahlt. Voraussetzung: Der Nachwuchs muss sich in einer Berufsausbildung (Studium, Lehre), im Freiwilligendienst, in einer Warte- oder Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungen befinden oder arbeitslos sein. Arbeitslosigkeit gilt jedoch nur bis zum 21. Lebensjahr des Kindes als Entschuldigung. Absolvieren Sohn oder Tochter bereits die zweite Ausbildung, dürfen sie maximal 20 Wochenstunden arbeiten, um das Kindergeld nicht zu gefährden. Wie viel sie verdienen, ist egal. Finanzielle Entlastung: 200 Millionen Euro im Jahr.

BETREUUNGSKOSTEN

Auch wer seinen Nachwuchs in die Kita schickt oder eine Tagesmutter beschäftigt, hat Vorteile. Denn künftig muss man nicht mehr begründen, warum man sein Kind nicht selber betreut. Hausfrauen oder Hausmänner können Kinderbetreuungskosten genauso geltend machen wie berufstätige Eltern. Und diese müssen nicht länger auflisten, in welchen Monaten sie ins Büro gegangen sind, wann sie krankgeschrieben oder arbeitslos waren. Bislang hatte das nämlich Konsequenzen dafür, ob die Kinderbetreuung als Werbungskosten oder als Sonderausgaben geltend gemacht werden konnten. „Eine Seite der ,Anlage Kind’ fällt weg“, betont das Finanzministerium. Künftig werden alle Kinderbetreuungskosten als Sonderausgaben eingeordnet. Bis zum 14. Lebensjahr des Kindes können die Eltern zwei Drittel der Betreuungskosten absetzen, maximal jedoch 4000 Euro. Wichtig: Die Kita-Betreiber dürfen die Neuregelung nicht dazu nutzen, die Kita-Gebühren, die sich meist nach den Einkünften der Eltern richten, heraufzusetzen.

KAPITALERTRÄGE

Eine gute Nachricht auch für all die Sparer, die viel Geld für Arztbesuche, Medikamente oder Heimkosten der Eltern ausgeben müssen. Zwar können all diese Posten als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abgesetzt werden, allerdings gelten hohe Selbstbehalte, die sich nach Einkommen, Familienstand und der Zahl der Kinder richten, die zum Haushalt gehören. Bei der Berechnung der Eigenbelastung wurden bislang auch die Kapitaleinnahmen berücksichtigt, für die die Bank des Anlegers bereits Abgeltungssteuer an das Finanzamt abgeführt hatte und die daher in der Steuererklärung nicht mehr auftauchten. Auch das wird anders: Ab 2012 spielen diese Kapitalerträge bei der Berechnung des Eigenbehalts keine Rolle mehr.

VERMIETER

Auch Vermietern, die Wohnungen preisgünstig an Angehörige vermieten, erleichtert das neue Gesetz das Leben. Sie können künftig trotz der niedrigen Miete gegenüber dem Finanzamt ihre Werbungskosten in voller Höhe geltend machen. Derzeit gibt es eine komplizierte Staffelung, zudem müssen die Betroffenen eine Gewinnprognose über 30 Jahre vorlegen. All das entfällt. Eine Einschränkung bleibt jedoch: Die Miete muss mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete betragen.

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