Wirtschaft : Ein Klick, ein Kredit

Im Internet tummeln sich Geldgeber, die mit extra-niedrigen Zinsen locken. Woran man Trickser erkennt und wie man solide Anbieter findet.

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Trügerisch. Auf Knopfdruck ist auch online kein Kredit zu bekommen. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Trügerisch. Auf Knopfdruck ist auch online kein Kredit zu bekommen. Foto: Kai-Uwe Heinrich

„Wunscherfüllung, pünktlich zum Fest“, frohlockt die Online-Bank Santander Direkt. „Warum jetzt Wünsche aufschieben?“, fragt Cosmos Direct. Das schnelle Geld via Internet lockt gerade vor Weihnachten Kunden an. Online-Kredite haben Hochkonjunktur – auch, weil die Zinsen immer noch sehr niedrig sind. 10 000 Euro für 48 Monate gibt es da schon mal für 3,90 Prozent effektiv.

Doch Vorsicht. Nicht jeder Online-Kredit ist ein Schnäppchen. „Das schnelle Geld kann bisweilen teurer sein als der normale Bankkredit am Schalter“, weiß Elsbeth Noatzsch von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Es komme auf den Einzelfall an, auf die Kreditsumme, den Verwendungszweck, die Laufzeit und vor allem die Bonität des Kunden. Hier gilt die Faustformel: Die besten Konditionen erhalten Kunden, die das Geld nur selten brauchen, weil sie ohnehin mit Bestbonität ausgestattet sind.

DAS KLEINGEDRUCKTE LESEN

So schanzt die Norisbank Kreditsuchenden mit Top-Bonität aktuell Ratenkredite gegen 3,9 Prozent Zinsen (effektiv) zu, die Deutsche Bank verlangt online 3,99 Prozent, die SWK Bank bei Laufzeiten bis 24 Monaten sogar nur 3,7 Prozent. Kunden mit schwacher Finanzkraft und schlechterem Schufa-Rating werden dagegen schon mal 11,99 Prozent abgeknöpft, etwa bei der Deutschen Bank.

Auch bei den Online-Angeboten sei es deshalb wichtig, Vergleichsangebote einzuholen und von Anfang an auf den sogenannten „Zwei-Drittel-Wert“ zu achten, raten die Verbraucherzentralen. Denn obwohl die Werbung mit Lockvogelsätzen eigentlich seit 2010 verboten ist, finden sich gerade auf den Webseiten von Online-Banken bisweilen noch plakative Hinweise auf Bestsätze, versehen mit Sternchen und Fußnote. Dort steht jener Zins, den zwei Drittel aller Kunden tatsächlich erhalten.

Immer häufiger locken Online-Banken mit dem Stichwort „bonitätsunabhängig“. Das bedeutet: Alle Kunden zahlen die gleichen Zinssätze für den gleichen Vertrag. So verlangt die PSD Berlin Brandenburg, die in Kreditvergleichen zuletzt regelmäßig auf den vorderen Plätzen gelandet ist, derzeit stets 4,75 Prozent, wenn ein Kunde sich 10 000 Euro für 48 Monate leihen will. Eine Schufa-Abfrage ist zwar notwendig, doch gilt hier das Alles-oder- nichts-Prinzip. Erhält der Kunde den Kredit, zahlt er auch mit schlechterer Bonität nicht mehr als ein Kunde mit sehr guter Bonität. „Für Kunden mit mittlerer Bonität sind bonitätsunabhängige Sätze vermutlich stets die bessere Wahl“, sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung. Allerdings sei die Prüfung strenger, so dass Kreditsuchende mit negativen Punkten in der Finanzbiografie oder unsicherem beruflichen Ausblick eher mit bonitätsabhängigen Sätzen ihr Kreditziel erreichen könnten.

Grundsätzlich gilt laut Herbst: Wer online eine Bank mit guten Zinsen gefunden habe, könne bei der Hausbank nachfragen, ob sie das Angebot nicht unterbieten wolle. Niemals sollte man als Bittsteller auftreten, empfiehlt der Experte.

Verbraucher, die als Kreditkunden bei der Bank die Rote Karte erhalten haben, werden häufig Opfer von Kredithaien. Gerade vor Weihnachten landen Spammails und Faltblätter in den Briefkästen, die „Blitz-Kredite ohne Schufa“ oder „Geld auch in schweren Fällen“ schufafrei „per Handy“ versprechen. Gerne sind ihre Auftritte in seriöses Ambiente gekleidet, die Rede ist von Schweizer Banken oder von staatlich zugelassenen Vermittlern. „Hände weg von solchen Angeboten“, warnt Geldexpertin Noatzsch. In den meisten Fällen handele es sich um windige Kreditvermittler, die gar keinen Kredit vermittelten, sondern nur Geld kosteten. Ein Check, im Auftrag der Schufa durchgeführt von der Fachhochschule Koblenz gemeinsam mit der Schuldnerberatung Main-Spessart, bestätigt: 177 Testanfragen bei 69 Anbietern führten nur in zwei Fällen zu einer Kreditvergabe – bei extrem hohen Effektivzinsen.

Zu erkennen seien solche unseriösen Angebote an der Kontaktaufnahme über teure 900er- oder 137er-Telefonnummern oder daran, dass Info-Material nur kostenpflichtig gegen Nachnahme zugeschickt werde, sagt Noatzsch. Oft werde auch rasches Geld und die Zusage binnen Minuten versprochen – aber dann stellt sich heraus, dass der kostenpflichtige Hausbesuch eines Vertreters verlangt wird, der dann die Kreditvergabe an den Abschluss zusätzlicher Versicherungen oder Bausparverträge knüpfe. Angeboten wird bisweilen sogar, das Geld aus dem Ausland per Post in bar zuzusenden.

VON PRIVAT ZU PRIVAT

Die Verbraucherzentrale Berlin empfiehlt deshalb, Angebote zu meiden, bei denen das Darlehen an undurchsichtige Vorabzahlungen geknüpft sei. Ansprüche auf Vergütung haben diese Vermittler auch nur, wenn tatsächlich Geld genehmigt wird und auch fließt beziehungsweise wenn die Kosten im Vertrag schriftlich ausgewiesen sind. Verlange der Vermittler die Bezahlung von „Auslagen“, so müsse er nachweisen, dass sie tatsächlich entstanden und auch notwendig seien, so die Berliner Verbraucherschützer.

Neben vielen schwarzen Schafen gibt es aber auch seriöse Kreditvermittler. Unter ihnen sind „Kreditmarktplätze“, die Kunden nicht nur Online-Kredite von Banken vermitteln, sondern auch von Privatleuten. Marktführer ist hier neben Auxmoney das Berliner Unternehmen Smava. So sucht bei Smava gerade ein 30-jähriger selbstständiger Geschäftsführer aus NRW mit sehr guter Bonität 50 000 Euro für 36 Monate, bietet dafür 4,8 Prozent Zinsen. 64 Anleger sind bisher bereit, ihm Geld zu leihen, womit 26 750 Euro zusammenkommen. Der Rest fehlt noch. Ein anderer Gewerbetreibender aus Bayern benötigt 16 000 Euro, verfügt aber nur über die Bonität H, was bei Smava bedeutet: Ausfallrisiko 17 Prozent. Deshalb muss er 11,3 Prozent Zinsen bieten – und hat auch erst zehn Kreditgeber mit insgesamt 4000 Euro gefunden.

Wer einen Kreditwunsch platzieren will, muss nach einer Anmeldung seine Identität nachweisen, drei Gehaltsnachweise oder die Gewinn- und Verlustrechnungen der letzten zwei Jahre und den Steuerbescheid einreichen sowie einer Schufa-Abfrage zustimmen. Zu den Zinskosten addieren sich weitere Gebühren, etwa eine Vermittlungsprovision zwischen 2,5 und drei Prozent des Kreditbetrags. Ohne Kosten können sich Kreditsuchende bei Smava auch normale Bankkredite vermitteln lassen. Der Kunde erhält mehrere auf ihn zugeschnittene Angebote von Partnerbanken, etwa der Postbank, der Ing-Diba oder der Targo-Bank. Geworben wird indes auch hier mit dem Zinsköder: 2,85 Prozent zahlt ein Kunde laut Homepage, der 10 000 Euro für 36 Monate benötigt. Im Sternchentext liest man dann den Satz, den zwei Drittel der Smava-Kunden tatsächlich erhalten: 6,9 Prozent effektiv.

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