Wirtschaft : Ein Kniefall vor der Pharmalobby reicht

Maren Peters

Die Pharmakonzerne verdienen prächtig. Mit Umsatzrenditen von bis zu zwanzig Prozent gehört die Medikamentenindustrie noch immer zu den bestverdienenden Branchen überhaupt. Schon deshalb klingt es sonderbar, wenn die betroffenen Unternehmen klagen, dass Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sie mit immer neuen Schreckensszenarien konfrontiere und die Branche an den Rand der Existenz treibe.

Die Not könnte in der Tat schlimmer sein. Anders als Autos oder Speicher-Chips werden Medikamente immer gekauft - egal, ob die Konjunktur nun brummt oder nicht. Immer mehr Menschen werden immer älter und damit auch anfälliger für Krankheiten. Zudem können die Pillen-Produzenten während der Patentlaufzeit ihre Preise selbst festlegen. Die Bundesgesundheitsministerin sollte daher nicht zum zweiten Mal den Fehler machen, vor der mächtigen Pharma-Lobby in die Knie zu gehen und sich auch die nächste Gesundheitsreform abkaufen zu lassen. Dass es einmal geschehen ist, ist ein Skandal. Wer dafür bezahlen muss, wissen wir inzwischen: die Versicherten, weil sie höhere Beiträge für die Krankenkassen bezahlen. Wenn die beteiligten Pharmaunternehmen jetzt sagen, dass sie zur Gesundheitsreform, die nach den Wahlen ansteht, keinen Beitrag leisten wollen, dann sollte Ulla Schmidt eines jedenfalls schon jetzt klar stellen: Eine zweite Freikaufaktion wird es nicht geben. Und: Wenn die Patienten, die Ärzte, die Krankenhäuser und die Krankenkassen einen Beitrag zur Reform des Gesundheitswesens leisten, dann müssen es die Pharmaunternehmen auch.

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