Wirtschaft : Ein König ohne Land - und ohne seine Burgen

ANDREAS HOFFMANN

Meldungen über ihn sind rar geworden.Wer in den Archiven die vergangenen zwei Jahren durchforstet, findet gerade mal eine Handvoll Zeitungsartikel über den Burgenkönig aus dem Rheinland, Herbert Hillebrand.Banken wie die Commerzbank oder Württembergische Hypothekenbank, bei denen er verschuldet ist, halten sich zurück.Selbst die Wirtschaftsauskunftei Creditreform bleibt vage.Genaue Zahlen über den jährlichen Umsatz fehlen, die Schätzungen über den Gruppenumsatz reichen von 50 bis 750 Mill.DM.Nur eines scheint sich bei Hillebrand nicht groß geändert zu haben: der Bedarf nach frischen Geld."Nach eigenen Angaben besteht ein Liquiditätsbedarf von mehreren hundert Millionen DM", schreibt Creditreform.Und: "Inwieweit dieser durch Verkäufe von Immobilien gedeckt werden kann, ist noch nicht bekannt."

Viel anders hörte es sich auch nicht Ende 1994 an, als Hillebrand in eine Finanzkrise geschlittert war.Mit 800 Mill.DM war er damals laut Bundesbank bei 26 Bankhäusern verschuldet.Als er dann im April 1995 eine Liquiditätslücke einräumte, sahen viele in ihm den Nachfolger von "Dr.Pleite", Jürgen Schneider.Nicht nur weil beide eine Vorliebe für Toupets hatten.Ähnlich wie der hessische Bankrotteur thronte Hillebrand über einem verzweigten Firmenimperium mit ehemals 135 Objekten in Deutschland, Kanada und den USA.Luxushotels, Verwaltungsgebäude, Glas- und Porzellanmanufakturen gehörten dazu - und Burgen.27 Stück.Sie ließ er umbauen in Managerschulen, Wohnhäuser oder Seniorenheime.

Hillebrand war steil aufgestiegen, vom kleinen Banklehrling zum Baulöwen, der in Spitzenzeiten zwischen 600 und 800 Mill.DM umsetzte.Vor allem inszenierte er sich als der etwas andere Immobilienkönig, mit Stil und Familiensinn.Geschäftspartner empfing er gern auf seiner Burg Hemmersbach in Kerpen bei Köln, fast eine Hollywood-Kulisse für Mantel- und Degenfilme.Ritterrüstungen lehnten an den Wänden.Riesige Kronleuchter spendeten warmes Licht.Er hat 15 Kinder, besaß einen roten Ferrari, und gab gegenüber seinen Beschäftigten den rheinischen Patriarchen: er schickte sie zum gemeinsamen Urlaub auf die Bahamas oder lud zur Weihnachtsfeier auf Burg Hemmersbach.

Soweit hätte die Geschichte ein schöner Aufstiegsroman werden können - wäre nicht 1989 die Mauer gefallen.Fortan suchte er sein Glück im Osten, kaufte Firmen und andere Objekte.Zeitweise hatte er 40 Baustellen im Osten ausgehoben - und sich verhoben.Die Ostmärkte brachen zusammen, und Hillebrand fehlten auf einmal die Kunden für seine Firmen, die Besteck, Glaswaren und Porzellan produzierten.Das Imperium bröselte.Die Besteckschmiede Wellner im sächsischen Aue, die Weimar Porzellan im thüringischen Blankenhain und die Glasmanufaktur "Crystal Castle" in der brandenburgischen Annahütte gingen in die Gesamtvollstreckung.Nur die Wallendorfer Porzellanmanufaktor blieb ihm.

Auch mit seinen Bau-Objekten im Osten kam Hillebrand in Nöte.Er hatte Mietvereinbarungen mit den Kommunen geschlossen, um die Bauten finanzieren zu können.Doch manche Städte fochten die Verträge an, auch weil sie sich übervorteilt fühlten.Noch heute sind allein beim Kölner Landgericht 40 Zivilklagen von Handwerkern anhängig, in denen Betriebe Geld von Hillebrand eintreiben wollen.Der Preisverfall für Gewerbeimmobilien im Westen setzte ihm ebenfalls zu.Die schönen Pläne für seine Bürobauten konnte er mangels Einnahmen nicht mehr verwirklichen.Bekanntestes Beispiel war der 150 Meter hohe Turm im Kölner Mediapark.1995 stellte Hillebrand die Arbeiten ein, bis heute steht nur der Rohbau.

Die heutige Größe seines Imperiums läßt sich nur schwer schätzen.Unterschiedlichen Quellen zufolge mußte er ein Drittel seiner Objekte verkaufen.Beinahe auch Burg Hemmersbach.Zweimal stand sie zur Zwangsversteigerung, beide Male konnte Hillebrand sie im letzten Moment retten.

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