Wirtschaft : Ein Konto für Jeden

Ombudsmänner erhalten 170 Beschwerden

Steven Hanke

Berlin - Die Privatbanken haben Vorwürfe zurückgewiesen, etwa Arbeitslosen und Rentnern die Eröffnung eines Girokontos zu verweigern. „Wer ein Girokonto haben will, bekommt auch eins“, sagte Werner Weiß, Ombudsmann beim Branchenverband BDB, dem Tagesspiegel am Donnerstag. Dafür spricht, dass bei den Schlichtern des BDB, die zwischen Banken und Kunden vermitteln sollen, im vergangenen Jahr nur 170 Beschwerden von sozial Schwachen eingegangen sind, die kein so genanntes „Konto für Jedermann“ erhalten haben. Das seien lediglich sechs Prozent aller Beschwerdefälle.

Mit dem „Jedermann-Konto“ verpflichteteten sich die Banken 1995 freiwillig, auch denjenigen ein Girokonto zu geben, denen es vorher wegen Kontopfändung oder Schufa-Eintrag versagt werden konnte. Damit verhinderten sie ein entsprechendes Bundesgesetz. Verbraucherschützer und Politiker hatten jedoch kritisiert, dass bis zu 500 000 sozial Schwache noch immer ohne Konto seien.

Nach Angaben von Harald Noack vom BDB ist die Zahl der Jedermann-Konten in den letzten sieben Jahren von 1,1 auf 1,9 Millionen gestiegen. Und auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hätte in ihrem Tätigkeitsbericht 2005 festgestellt, dass sich die Kreditinstitute an die freiwillige Vereinbarung hielten. Die „Konten für Jedermann“ hätten bei den Ombudsmännern sogar Vorrang vor anderen Beschwerden, sagte Noack. Das Verfahren dauert demnach ein bis zwei Monate, während die Fälle sonst in vier bis sechs Monaten geschlichtet werden. Nur bei zwei der 170 Fälle hätte man sich 2005 nicht einigen können. Insgesamt konnten die Ombudsmänner bisher rund die Hälfte der insgesamt 14 000 Streitfälle schlichten.

Weitere Informationen zum Verfahren gibt es im Internet unter www.bankenverband.de/ombudsmann. Der Adressat für Beschwerden ist die Kundenbeschwerdestelle des Bundesverbandes deutscher Banken, Postfach 04 03 07, 10062 Berlin.

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