Wirtschaft : Ein kurzes Feuerwerk

Die deutsche Wirtschaft soll 2006 dynamisch wachsen – doch 2007 könnte die Party schon vorbei sein

Carsten Brönstrup

Berlin - Die deutsche Wirtschaft wird im kommenden Jahr so stark wachsen wie seit fünf Jahren nicht mehr: Das jedenfalls erwarten führende Ökonomen, die das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2006 auf bis zu zwei Prozent schätzen. Dafür machen sie die starke Weltwirtschaft verantwortlich, aber auch die Belebung der Binnenkonjunktur. Der Aufschwung dürfte allerdings nur von kurzer Dauer sein – die geplanten Steuererhöhungen werden nach Ansicht der Experten dafür sorgen, dass die Wirtschaft 2007 in die Stagnation zurückfällt.

In den vergangenen Wochen haben die meisten Forscher ihre Prognosen nach oben korrigiert. So nehmen die großen Konjunkturinstitute Wachstumsraten zwischen 1,4 und 1,7 Prozent an. Kommende Woche wird nach Tagesspiegel-Informationen als letztes der sechs Häuser das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aus Berlin seine Annahmen nach oben korrigieren.

Bei den Banken ist der Optimismus noch größer – die Volkswirte der Allianz/Dresdner Bank liegen mit einem Plus von 2,0 Prozent derzeit an der Spitze. Die Bundesregierung wird ihre Berechnungen erst Ende Januar bekannt geben, Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat aber bereits durchblicken lassen, dass es bei der Annahme von 1,2 Prozent nicht bleibt.

In den vergangenen fünf Jahren war das deutsche BIP im Schnitt nur um gut 0,7 Prozent gewachsen. Gestützt wird die Hoffnung auf den Aufschwung durch das starke Wachstum der Weltwirtschaft. Bestellungen aus Asien und zunehmend auch aus Europa lassen die Geschäfte beim Exportweltmeister Deutschland weiter gut laufen. Neu ist, dass die Unternehmen nun auch für ihre Fabriken im Inland neue Maschinen und Ausrüstungen ordern. „Damit gewinnt der Aufschwung endlich an Stärke“, sagte Michael Heise, Chefökonom der Allianz, dieser Zeitung. Darauf deuten Daten der vergangenen Tage hin – der Index zum Ifo-Geschäftsklima etwa war im Dezember so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Unterstützt wird der Trend noch durch die Pläne der Regierung. Zum einen können die Firmen ab 2006 Geld, das sie investieren, leichter abschreiben. Zum anderen bringt die angepeilte Anhebung der Mehrwertsteuer einen kleinen Konsumschub. Vor allem teure Güter und Möbel dürften gekauft werden, erwarten Fachleute. Daneben dürfte die Fußball-WM den Einzelhandel in Schwung bringen. Die Effekte durch Politik und Sport dürfe man aber nicht zu hoch bewerten, warnt Heise. „Wichtiger ist, dass sich die Unternehmen neu aufgestellt haben. Sie sind innovativer und produktiver geworden und haben ihre Kosten gesenkt wie seit Jahren nicht mehr – auch dank der Lohnzurückhaltung und der betrieblichen Vereinbarungen mit den Gewerkschaften.“

Für den Arbeitsmarkt wird sich das aber nicht auszahlen. Heise: „Es gibt Anzeichen für eine Besserung der Lage – mehr aber nicht.“ So steige die Zahl offener Stellen, in den Unternehmen würden weniger Jobs gestrichen, und der Abbau sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung komme zum Stillstand. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit schwankt bei den einzelnen Prognosen zwischen gut 4,6 und 4,8 Millionen.

2007 könnte es mit dem schnellen Wachstum schon wieder vorbei sein. Das befürchtet Thomas Mayer, Europa-Chefökonom der Deutschen Bank in London. „2007 wird aus dem Schub ein Sog.“ Nicht nur die dann erhöhten Steuern würden die Wirtschaft bremsen. Zudem bekomme das Land den strafferen Zinskurs der Europäischen Zentralbank zu spüren – denn die Erhöhung der Leitzinsen seit Dezember wirkt sich erst mit mehreren Monaten Verspätung aus. „Die Bank wird den entscheidenden Satz auf bis zu drei Prozent anheben“, erwartet Mayer. Dies werde Kredite kostspieliger machen. Zudem werde der Euro im Vergleich zum Dollar wieder an Stärke gewinnen. „Beide Faktoren bedeuten wieder stärkeren Gegenwind für die Wirtschaft.“

Zudem schwäche sich die Weltwirtschaft wieder ab, erklärte Allianz-Volkswirt Heise. Er rechnet mit einer Halbierung der Wachstumsrate auf nur noch ein Prozent. „Das ist aber keine zwangsläufige Entwicklung –, wenn die Bundesregierung davon Abstand nimmt, mit der Mehrwertsteuer die Konjunktur abzuwürgen.“ Dies sei „fahrlässig“. Die Regierung müsse das Geld für die Sanierung des Haushalts mobilisieren. „Es gibt aber schon jetzt immer mehr Begehrlichkeiten und Ausgabenwünsche, die dann als Rechtfertigung für Steuererhöhungen herhalten müssen. Die Regierung muss sich aber auf das Sparen konzentrieren, nicht auf das Geldausgeben.“ Das Mindeste sei eine Verbindung der Mehrwertsteuererhöhung mit anderen Reformen.

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