Wirtschaft : Ein kurzsichtiges Vergnügen?

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Von Carsten Brönstrup

Die deutschen Unternehmen sind ziemlich cool geblieben. Der Euro gewinnt seit Wochen unablässig an Wert, beinahe täglich warnen Verbandspräsidenten und Wirtschaftsforscher vor den bösen Folgen eines weiter steigenden Wechselkurses. Doch die Manager ficht das nicht an – ihr Optimismus ist ungebrochen. Deshalb ist das wichtigste Stimmungsbarometer der Wirtschaft, der IfoGeschäftsklima-Index, im Januar auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen. Offensichtlich unterschätzen die Unternehmen die Gefahren durch den starken Euro. Oder ihnen ist noch nicht bewusst, wie sehr die Stärke der Gemeinschaftswährung ihrem Geschäft schaden könnte.

Dafür spricht, dass der enorm steile Euro-Anstieg erst Anfang Dezember richtig begonnen hat – und die Firmen davon erst einmal nichts wissen wollen, weil sie sich lieber über die von der Politik verabschiedeten Strukturreformen und das Ende von drei Jahren Wirtschaftskrise freuen. Diese Reaktion wäre angesichts der schwankungsanfälligen und unberechenbaren Finanzmärkte durchaus verständlich. Zudem sind zumindest die Großunternehmen noch für einige Zeit gegen zu starke Kursturbulenzen abgesichert. Und seit ein paar Monaten läuft das Exportgeschäft ja auch gut, weil weltweit die Nachfrage anzieht und etwa deutsche Maschinen ungeachtet des Wechselkurses wieder gefragt sind.

Doch das dicke Ende könnte noch kommen. Auf dem bisherigen Kursniveau ist die Euro-Aufwertung noch erträglich. Setzt sie sich aber fort, womöglich begleitet von einem Arbeitskampf in der Metall- und Elektrobranche, könnten all die schönen Wachstumsprognosen für dieses Jahr schnell Makulatur sein. Deshalb sollten sich die Unternehmen nicht zu laut feiern – sondern lieber Vorsorge treffen für den Fall der Fälle.

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