Wirtschaft : Ein Lächeln für Arbeitslose

Die Agentur für Arbeit in Eberswalde probt das Konzept „Kundenzentrum der Zukunft“

Ragna Sieckmann

Eberswalde. Im Foyer der Agentur für Arbeit in Eberswalde geht es zu wie beim Autohändler. Ein Herr im Anzug fängt die Kundschaft mit Eifer und einem breiten Lächeln ab und weist ihr den Weg: Zur Job-Datenbank nach links, zum persönlichen Gespräch nach rechts. Wer nur Unterlagen abgeben will, geht geradeaus zum Empfang und hat im besten Fall nach einer Minute alles erledigt. Seit dem 8. März ist das alte Arbeitsamt in Eberswalde ein „Kundenzentrum der Zukunft“ – eine von zehn derartigen Modellagenturen in Deutschland.

„Viel besserer Service “, lobt Lothar Rex. Er hat einen Antrag für eine Ich-AG gestellt, das hat ihn keine drei Minuten gekostet. „Früher wäre das eine Stunde gewesen“, schätzt der Dachdecker. Andere sind weniger begeistert: Marcel, Koch ohne Arbeit, glaubt nicht an die wundersame Wandlung des Arbeitsamtes: „Den Umbau hätten sie sich sparen können. Warten müssen wir am Ende ja doch.“

Anfang des Monats haben die Mitarbeiter der Arbeitsagentur Akten, Möbel und Zimmerpflanzen durchs Haus getragen, kaum jemand hat sein altes Büro behalten. Ein paar Männer haben die neue Empfangstheke gezimmert, Kabel verlegt und Wände niedergerissen. Insgesamt hat der Umbau in Eberswalde 150000 Euro gekostet. Wenn die Bundesagentur im Mai befindet, das Möbelrücken habe sich ausgezahlt, gibt es Kundenzentren für Arbeitslose bald in ganz Deutschland. Rolf Seutemann, Mitglied der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit, ist zuversichtlich: „Erste Erfahrungen lassen hoffen, dass wir den richtigen Schritt gemacht haben.“

Der freundliche Herr im Eingangsbereich und andere Neuheiten sollen Abläufe beschleunigen. Erste Station nach dem Foyer: einer von acht Schreibtischen im Nebenraum. Dort kann man sich arbeitslos melden, Urlaub beantragen. oder einen Termin für die nächste Station abholen: das intensive Gespräch mit einem Vermittler in einem der Büros in den oberen Stockwerken. „Hier wartet keiner länger als zehn Minuten“, verspricht die Geschäftsführung. Bisher waren das im Bundesdurchschnitt 24 Minuten. Ins Eberswalder Kundenzentrum kommen jeden Tag 500 bis 1000 Arbeitslose oder solche, die es werden müssen. Jeder Fünfte ist im Barnim und in der Uckermark ohne Arbeit, 37017 Frauen und Männer insgesamt.

Wenn der Kunde will, folgt sein Vermittlungsgespräch ein bis zwei Wochen nach seinem ersten Besuch im Zentrum. Und zwar bei Vermittlern, die ihre Kunden und deren Branche kennen, sagt Pressesprecherin Leonore Bode. Die Fälle werden nicht mehr buchstabenweise, sondern nach Branchen und Gebieten bearbeitet. Damit die Vermittler wissen, mit wem sie es zu tun haben, gibt es „Arbeitspakete“: Sechs Blatt Papier, in die der Suchende einträgt, ob er sich für zuverlässig hält, zielstrebig oder kreativ, was er bisher gelernt und wo er gearbeitet hat. „Bei neuen Kunden hilft das schon“, sagt Jürgen Steinberg, der sich um Arbeitskräfte vom Bau kümmert.

Wer zu ihm kommt, geht im besten Fall mit einem Vermittlungsvorschlag wieder aus dem Büro. Neuerdings ist Steinberg aber auch für Weiterbildung zuständig. „Die Gespräche sind deshalb umfangreicher geworden“, sagt er. Mehr Arbeit für die Vermittler also, aber alles aus einer Hand für denjenigen, der Arbeit sucht. Dasselbe gilt für die Formalitäten: Wenn alle Unterlagen beisammen sind, reicht eine halbe Stunde in ein und demselben Büro und es ist klar, ab wann es Geld gibt und wie viel. Auf die alte Art hat so etwas Wochen gedauert.

Ansonsten macht sich das Konzept des Kundenzentrums für die Angestellten kaum bemerkbar. Dass es feste Termine für die Gespräche gibt, ist schon länger so in Eberswalde. Veronika Fügner, die Anträge der Eberswalder prüft, ist sicher, dass sich der Umbau gelohnt hat: „Wir schaffen nicht mehr als früher, aber die Kunden gehen zufriedener hier raus.“ Und wenn der ein oder andere doch schneller als zuvor eine neue Stelle findet, zahlt sich der Umbau sowieso aus: Wenn jeder Arbeitslose in Brandenburg nur einen Tag früher wieder arbeitet, müssten sieben Millionen Euro weniger Arbeitslosen-Unterstützung gezahlt werden.

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