Wirtschaft : Ein Liter Super für 1,43 Euro – und mehr

Die Amerikaner decken sich in Europa mit Benzin ein. Zu Pfingsten könnten die Preise weiter steigen

Alfons Frese,Bernd Hops

Berlin - Kurz vor Pfingsten nähern sich die Benzinpreise Höchstständen. Für einen Liter Super mussten die Autofahrer am Dienstag im Schnitt 1,43 Euro bezahlen, das waren nur noch drei Cent weniger als im Spätsommer 2005. Damals hatte der in den USA wütende Hurrikan „Katrina“ die Preise nach oben befördert. Der ADAC rechnet im weiteren Wochenverlauf bis unmittelbar vor Pfingsten mit weiter steigenden Preisen und riet deshalb den Autofahrern, bereits jetzt zu tanken.

Ferner, so ADAC-Sprecher Andreas Hölzel auf Anfrage, sollten die Kunden sich preisbewusst verhalten, also freie Tankstellen ansteuern, die in der Regel um ein oder zwei Cent günstiger seien, und grundsätzlich Preise vergleichen. Am Dienstag beispielsweise habe es Unterschiede von bis zu 15 Cent gegeben. Die teuerste Tankstelle hat der ADAC auf einer Autobahn in Rheinland-Pfalz ausgemacht; der Liter Super kostete dort 1,50 Euro. Aktuelle Informationen über Preise im In- und Ausland gibt es auf der Homepage des ADAC.

Als Ursache für den Preisanstieg werden wieder einmal die USA genannt. Wegen zu geringer Raffineriekapazitäten würden die Amerikaner zunehmend Benzin in Europa kaufen, was hier die Preise treibt. „In den letzten sechs Wochen haben die Amerikaner hier sehr viel weggekauft“, sagt Helmut Buchmann vom Fachdienst Oil Market Report (OMR).

Auch der Rohölmarkt spielt eine Rolle – jedenfalls in Europa. Der Preis der Nordseesorte Brent lag am Dienstag mit 70,54 Dollar je Barrel um sieben Cent über dem Vortagsniveau. Die Sorte Brent ist um rund fünf Dollar teurer als die in den USA maßgebliche Sorte WTI. Normalerweise ist US-Öl teurer. Das liegt an Problemen bei der Nordseeproduktion. Wegen eines Streiks der Ölarbeiter im wichtigen Förderland Nigeria fehlen zudem auf dem Weltmarkt täglich 800 000 Barrel. Alles in allem sind die Benzinpreise in Deutschland seit Jahresbeginn um 20 Cent gestiegen. Besser stehen sich die Dieselfahrer: Der Literpreis stieg hier nur um neun Cent auf zuletzt 1,17 Euro. Auch das ist ein Indiz dafür, dass die Amerikaner Benzin in Europa kaufen. Dieselfahrzeuge gibt es dort kaum.

In den USA erreicht der Benzinpreis seit Wochen immer wieder historische Höchststände. Der Grund sind knappe Benzinvorräte, die nach Erhebung der amerikanischen Energieagentur (EIA) Mitte März weit unter das Niveau gefallen sind, das in den vergangenen Jahren üblicherweise zu dieser Zeit erreicht wurde. Eine ganze Reihe von Raffinerien hatte in den USA wegen Wartungsarbeiten die Produktion eingeschränkt. Dadurch fehlt der Nachschub. Für die EIA gibt es deshalb in ihrer jüngsten Analyse nur einen Schluss für die Verbraucher: weniger Auto fahren und die Nachfrage drosseln.

OMR-Experte Buchmann geht davon aus, dass die hohen Preise tatsächlich zu einem niedrigeren Verbrauch in den USA geführt haben dürften. Außerdem würden die Benzinvorräte langsam wieder aufgefüllt.

Der ADAC empfiehlt seinen Mitgliedern nicht, das Auto stehen zu lassen. Wenn es möglich ist, sollte in den Ländern getankt werden, in denen der Sprit deutlich günstiger ist, rät dagegen der Automobilclub. In Polen zum Beispiel kostet ein Liter Super rund 30 Cent und Diesel 20 Cent weniger als in Deutschland. In Österreich beträgt der Preisvorteil gegenwärtig 26 bis 30 Cent. Allerdings, so warnt ADAC-Sprecher Hölzel, sollten die Autofahrer „nicht übertreiben“. Es sei schon so mancher stehen geblieben, weil er mit dem Ziel, ein Schnäppchen zu machen, nicht genug getankt habe.

Um den Verbrauch zu reduzieren, empfiehlt der ADAC rasches Hochschalten, eine „gleitende Fahrweise“, also mittels vorausschauenden Fahrens häufige Stopps vermeidend, ausreichend Reifendruck sowie sparsame Nutzung der Klimaanlage. Im Schnitt erhöht die Klimaanlage den Benzinverbrauch um rund zehn Prozent.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben