Wirtschaft : Ein Mann fürs Aufräumen

René Obermann gehört zu den Mobilfunkpionieren in Deutschland

Katharina Slodczyk

Düsseldorf - Das Wochenende ist für die Familie reserviert – zumindest teilweise. Jeden Samstagvormittag bringt René Obermann seine ältere Tochter zum Reiterhof. Doch danach geht er manchmal noch ein bisschen arbeiten. Dann steuert der Manager mit Vorliebe einen Telekom-Laden an. Er will sehen, wie es wirklich in den T-Punkten zugeht, wie freundlich die Mitarbeiter sind und wie lange die Kunden warten müssen. Bis vor kurzem ging das fast immer inkognito. Doch erkannt zu werden, daran wird sich Obermann jetzt gewöhnen müssen, wenn er Nachfolger von Kai-Uwe Ricke an der Spitze der Deutschen Telekom wird. Branchenkreisen zufolge hat Obermann seiner Berufung bereits zugestimmt. An diesem Montag will sich der Aufsichtsrat offiziell mit der Personalie befassen: Zum dritten Mal soll Obermann damit in Rickes Fußstapfen treten.

Im Jahr 2000 wird Ricke Chef von T-Mobile International, Obermann übernimmt dessen Job bei T-Mobile Deutschland. Zwei Jahre später löst Ricke Ron Sommer als Telekom-Chef ab, Obermann übernimmt die Führung von T-Mobile International und steigt in den Telekom-Vorstand auf. Jetzt folgt der nächste Schritt – mit einem Unterschied: dieses Mal steigt Ricke ab.

Beide Männer kennen sich seit vielen Jahren. Ricke ist Anfang der 90er Chef des Mobilfunkdienstleisters Talkline, Obermann Chef des Konkurrenten Hutchison Telekom. 1998 treten sie als Tandem bei der Telekom auf: Ricke wird Chef von T-Mobile Deutschland, Obermann übernimmt dort den Vertrieb. Gemeinsam machen sie die Telekom-Mobilfunktochter zur Nummer eins auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Schon damals ist die Aufgabenverteilung klar: Ricke gibt sich freundlich-verbindlich, diplomatisch und auf Konsens bedacht. Obermann ist für die kritischen Fragen zuständig, sorgt dafür, dass die bis dahin eher verschlafene Vertriebstruppe von T-Mobile mal so richtig in Schwung kommt, übernimmt unangenehme Aufräumarbeiten aller Art.

Obermann gehört zu den Mobilfunkpionieren Deutschlands. Eigentlich will er Mitte der 80er Jahre nach einer Lehre zum Industriekaufmann in Münster studieren. Doch schon im ersten Semester hält es ihn nicht mehr im Hörsaal: Er verkauft Anrufbeantworter und Autotelefone und gründet das Handelsunternehmen ABC Telekom. Obermann ist damals der Prototyp des jungen und dynamischen, teilweise etwas arroganten Unternehmers. „Er ist ein Kapitalist aus dem Bilderbuch“, schreibt die „Wirtschaftswoche“ Ende der 80er Jahre. Obermann fährt Porsche und hat eine Haushälterin.

Als der Markt enger wird, verkauft er seine Firma an den asiatischen Mischkonzern Hutchison Whampoa. Seither gilt er als finanziell unabhängig. Eine Weile bleibt er noch angestellter Geschäftsführer, bevor Ron Sommer ihn nach Bonn holt.Eigentlich ist der heute 43-Jährige ein Fremdkörper in der Konzernkultur: offen, direkt, aus dem Bauch heraus – und für den Geschmack einiger Telekom-Manager „zu aggressiv und überehrgeizig“.

Er hat dazugelernt – im Umgang mit der Mammutbehörde Telekom, mit dem Bund, der sich als größter Anteilseigner immer wieder einmischt. „Er ist immer noch ein Unternehmer-Typ, aber einer, der inzwischen auch diplomatisches Geschick an den Tag legt“, verlautet aus T-Mobile-Kreisen. Für den glücklosen Ricke sollte Obermann zuletzt den Feuerwehrmann spielen. Nachdem die Festnetzsparte im ersten Halbjahr 2006 eine Million Kunden verloren hatte, sollte Obermann den Festnetzvertrieb auf Vordermann bringen. Zumindest für Ricke kam diese Aktion zu spät. (HB)

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