Wirtschaft : Ein Maschinenbauer mit Herz und Verstand

ALFONS FRESE

Er war ein Berliner Junge und wurde berühmt als guter Mensch von Bergedorf.Kurt A.Körber - 1909 in Berlin geboren, 1992 in Hamburg gestorben - brillierte als Erfinder und Unternehmer.Einen Namen machte er sich jedoch vor allem als Stifter und Mäzen, als Erfinder des Bergedorfer Gesprächskreises, als sozialkulturell engagierter Bürger.Damit kein falscher Eindruck entsteht: "Ich baue Maschinen und verkaufe sie nicht aus Nächstenliebe, sondern weil ich Profit machen will", sagte Körber anläßlich seines 80.Geburtstages in einem Interview.Aber die Gewinne sollten gemeinnützig verwendet werden; dafür gründete er unter anderem die Körber-Stiftung, der er sein ganzes Vermögen vermachte."Die Wohlhabenden", so meinte Körber, "sollen ihre Vermögen auch für ethische Zwecke zur Verfügung stellen." Und Körber war wohlhabend.

Der Sohn eines Autotechnikers absolvierte eine Lehre bei AMB Chemnitz und ging anschließend auf die Ingenieurschule in Mittweida.Als 15jähriger meldete Körber 1924 sein erstes Patent an: Eine Radioableseskala.Rund 200 Erfindungen sollten folgen."Ich sage immer, da kommen kleine Englein und setzen sich auf meine Schulter und flüstern mir ins Ohr", beschrieb Körber seine erstaunliche Kreativität.Die profitabelste Entwicklung war eine Maschine zur automatischen Zigarettenherstellung.Seitdem werden rund 90 Prozent Filterzigaretten in der Welt mit Körber-Maschinen gestopft.Als der Gründer starb, setzte der Körber-Konzern mit mehr als 6800 Mitarbeitern gut 1,5 Mrd.DM um; 21 Unternehmen waren 1992 als selbständige Maschinenbauer in der Körber-Gruppe zusammengefaßt.

Nach dem Studium der Elektrotechnik arbeitete Körber bei Siemens in Berlin als Spezialist für Hochfrequenzen und Konstrukteur im Elektromaschinenbau; 1935 wechselte Körber zur Dresdner Maschinenfabrik Universelle, wo er als technischer Direktor maßgeblich am Aufbau des Werks zu einem 4500-Mitarbeiter-Betrieb mitwirkte.Der Zerstörung Dresdens 1945 fiel auch die "Universelle" zum Opfer.Nach dem Krieg ging Körber nach Hamburg und baute dort mit der Hanseatische Universelle (Hauni-Werke Körber & Co.KG) eine eigene Firma auf."Mein erstes Büro war die Telefonzelle auf dem Dammtorbahnhof." Von dort rief Körber die Zigarettenunternehmen BAT und Reemtsma an und erkundigte sich nach deren Ersatzteilebedarf."Ich habe selber gefeilt, besorgt, Zeichnungen gemacht.Dafür bekam ich Zigaretten, das war ja die Währung.Auch meine Leute bekamen Zigaretten als Lohn", erinnerte sich Körber an die Gründerjahre in einem Gespräch mit der "Welt".

Aus den Gewinnen seiner Unternehmungen finanzierte Körber unter anderem ein Lehr- und Forschungsinstitut für technische Führungskräfte, ein Studenten- und ein Altersheim.Besonders stolz war der "pragmatische Idealist" (Munziger-Archiv) auf den Bergedorfer Gesprächskreis, in dessen Rahmen vor allem Ost-West-Kontakte während des Kalten Krieges entstanden.Beispielsweise wurde im Gesprächskreis vor dem Abschluß der Ostverträge "mit den maßgebenden Leuten aus der damaligen Bundesregierung und den Sowjetleuten in Leningrad drei Tage lang getagt und abgetastet, was durchzusetzen ist für die Ostverträge", erinnerte sich Körber.Als Gorbatschows Perestroika begann, lud Körber zehn russische Stipendiaten ein und bildete sie 18 Monate aus.Die zwei Mill.DM dafür gab er gerne, um "Know-how und das neue Denken zu vermitteln - denen ist ja das Denken aberzogen worden".

Der Großteil der gemeinnützigen Aktivitäten und Institutionen floß 1981 in die Körber-Stiftung ein, die jedes Jahr rund zehn Mill.DM für wissenschaftliche, kulturelle und soziale Zwecke bereitstellt.1984 wurde ein Förderpreis für europäische Wissenschaften gestiftet, der höher dotiert ist als der Nobelpreis.Im eigenen Unternehmen führte Körber eine Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter in Höhe von 20 Prozent des Betriesbergebnisses ein.Körbers Ehe mit Anny - 1983 feierten sie goldene Hochzeit - blieb kinderlos.Nach dem Tod des Gründers übernahm Frank Niethammer den Vorsitz des Aufsichtsrats.

Das Haus war gut bestellt, die Weichen in eine "gemeinnützig Zukunft" gestellt: Nach Körbers Tod fielen sämtliche Anteile des Unternehmens an die Stiftung, denn "Geben macht seliger denn Nehmen".Nach diesem Prinzip handelte der Mäzen Körber auch nach 1989.Der Stadt Dresden schenkte er Baumaschinen und Bücher."Wir im Westen werden einmal daran gemessen werden, ob wir zur Stelle waren, um Solidarität, Klugheit und Opferbereitschaft zu zeigen.Denn das Drama Europas erfaßt nicht nur den Osten, sondern es wird auch uns im Westen verändern", hatte Körber erkannt.



Eine Ära geht zu Ende.50 Jahre ist die D-Mark alt, Symbol für wirtschaftlichen Aufschwung und Stabilität in der Bundesrepublik Deutschland.Geprägt haben diesen Aufbau in den Wirtschaftswunderjahren eine ganze Reihe von Betrieben und Unternehmern, die Gründergeneration.Nun macht die D-Mark dem Euro Platz.Was ist aus den Unternehmen der Wirtschaftswunderjahre geworden, wie haben sie den Generationswechsel bewältigt? Der Tagesspiegel stellt einige von ihnen in lockerer Folge vor.

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