Wirtschaft : Ein Mikrowellenherd strahlt mehr

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Die einen fürchten die Strahlungen, während andere auf das Plaudern unterwegs nicht mehr verzichten wollen: Beim Mobilfunk scheiden sich die Geister. Die Kritiker warnen vor den vermeintlichen Gefahren, die durch die elektromagnetische Strahlung entstehen können. Diese werden vom Handy selbst freigesetzt, gehen aber auch von den Sendemasten aus.

Bei den Mobiltelefonen gelten die Mikrowellen, die sie aussenden, als potenzielle Krankmacher. Die Mikrowellen dringen ein paar Zentimeter tief unter die Haut und werden dort in Wärme umgewandelt. Ärzte nutzen diese Wärme zur „Kurzwellen-Therapie". Auf der Wärmewirkung basiert auch jeder Mikrowellenherd. Die Leistung eines Handys ist damit jedoch nicht zu vergleichen. Ihre Sendeleistung beträgt maximal zwei Watt. Verglichen mit den 600 bis 1000 Watt eines Mikrowellenherdes ist das sehr wenig. Außerdem reduzieren die Mobiltelefone ihre Sendeleistung immer so weit, dass sie gerade noch bis zum Funkmasten durchkommen. Bei günstigen Bedingungen senden sie nur mit zehn Prozent ihrer maximalen Leistung.

Die Gefahr der Erwärmung soll durch die vom Gesetzgeber festgelegten Grenzen für den so genannten SAR-Wert begrenzt werden. SAR steht für „Spezifische Absorptions- Rate" und gibt die Strahlungsleistung an, die vom Körpergewebe während des Handy-Telefonierens aufgenommen wird. Sie darf zwei Watt pro Kilogramm (W/kg) Körpergewicht nicht überschreiten. Unstrittig ist, dass es bei höheren SAR-Werten zur Veränderung von Körperzellen bis hin zu ihrer Zerstörung kommen kann. Unterhalb dieser Grenze besteht diese Gefahr jedoch nach allgemeiner Auffassung nicht.

Nach Meinung von Mobilfunk-Kritikern muss man aber auch noch die nicht-thermische Energie beachten. Diese entsteht, da die Mobiltelefone nicht gleichförmig, sondern mit 217 „Funkblitzen" pro Sekunde senden. Forscher nennen das athermische Effekte. Forschungen an der schwedischen Universität in Lund haben ergeben, dass Mobilfunkstrahlen die Blut-Hirn-Schranke öffnen. So könnten Gifte leichter ins Gehirn eindringen. Selbst bei Leistungen, die 20 000-fach unter denen eines Handys liegen würden, versage bereits die Blut-Hirn-Schranke, glauben die Forscher. Das könne bedeuten, dass Substanzen ins Gehirn kämen, die dort nicht hingehörten. Folgeuntersuchungen gibt es aber noch nicht.

Umstritten ist, ob Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind. Gewebe, das sich erst entwickle, sei empfindlicher, warnen Wissenschaftler. Zudem hätten die Kleinen eine dünnere Hirnschale, so dass Strahlung sie schneller durchdringt.

Gefährlich leben die Benutzer von Handys aber zweifelsohne. Schon 1997 konnte eine Studie nachweisen, dass die Gefahr eines Unfalls um das Vierfache erhöht ist, wenn ein Autofahrer beim Fahren munter telefoniert - egal wie hoch die abgegebene Strahlung des Handys war. Melanie Hinter

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