Wirtschaft : „Ein Mindestlohn würde bei uns Jobs vernichten“

Mc-Donald’s-Deutschland-Chef Bane Knezevic über Kaffee, Burger und Hygienestandards in den deutschen Restaurants

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Herr Knezevic, Porzellantassen statt Pappbecher, schwarze Ledersitze statt Plastik, Ruhe statt Schnellimbiss-Hektik. Ihre neue Kaffeekette McCafé ist ziemlich genau das Gegenteil von McDonald’s. Ist das Ende der Fast-Food-Kultur gekommen?

Wir waren lange Zeit nicht modern genug für unsere Kunden…

…was deutliche Umsatzeinbrüche zur Folge hatte…

… also haben wir nachgelegt. Wir wussten aber, dass es nicht ausreicht, mehr Servicekräfte einzustellen und ihnen beizubringen, dass man „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ sagt, wir mussten das ganze Konzept überdenken. Also haben wir das Design geändert und McCafé erfunden.

Ist es Zufall, dass Ihre Cafés ähnlich aussehen wie die der US-Kaffeekette Starbucks?

Wir versuchen, besser zu sein, weil wir eine größere Auswahl anbieten. Bei jedem Restaurant, das wir modernisieren, legen wir zu den 300 000 Euro noch 100 000 Euro drauf und erweitern sie um ein McCafé. Dadurch können wir unsere eigenen Immobilien und Ressourcen besser nutzen. Im Vergleich zu anderen Kaffeeketten investieren wir weniger, wenn wir eine neue Filiale aufmachen.

McCafé wird es also auch in Zukunft nur zusammen mit McDonald’s geben?

Ja. Rund 240 der knapp 1270 Filialen sind bereits umgebaut, in diesem Jahr werden 100 bis 160 weitere folgen

Mögen die Kunden den Kaffeehausstil?

Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass McCafé vor allem Jüngere anspricht. Überraschenderweise kommen aber auch Ältere jenseits der 50, die sonst nie einen McDonald’s betreten hätten. Der Gesamtumsatz der Filialen mit neuem Design und McCafé ist im ersten Jahr um zehn bis 15 Prozent gestiegen. Nach den ersten drei Monaten des neuen Jahres sieht es so aus, als könnten wir sogar noch zulegen.

Warum machen Sie keine Werbung für die Coffee-Shops?

McCafé ist keine eigenständige Marke, sie soll McDonald’s stärken, aber nicht konkurrieren. Wir wollen ein Burger-Unternehmen bleiben, damit machen wir immer noch 93 Prozent unseres Umsatzes.

Wann wollen Sie Branchenführer Tchibo überholen?

Niemand außer Tchibo weiß, wie viele Filialen sie haben. Es geht auch nicht um die Zahl der Filialen, sondern um den Kaffee-Umsatz. Da sehe ich noch viel Potenzial. In Zukunft wollen wir uns mehr um den nachhaltigen Anbau des Kaffees kümmern. Wir werden mit einer Bohne arbeiten, die ein Rain-Forest-Alliance-Zertifikat hat, das ist eine Art Qualitätssiegel für nachhaltigen Anbau.

Kooperationen mit Ökopartnern erfreuen sich bei Arbeitgebern mit Imageproblemen großer Beliebtheit. Selbst der Discounter Lidl bietet fair gehandeltes Gemüse an.

Wir sind überzeugt, dass auch wir damit etwas bewegen können. Aber die Kosten werden steigen, keine Frage. McCafé hat die Mehrwertsteuererhöhung zu Beginn des Jahres nicht weitergegeben, aber im Laufe des Jahres werden wir wahrscheinlich nachziehen müssen.

McDonald’s war lange berüchtigt für Warteschlangen und schmuddelige Filialen. Jetzt gibt es Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiter wegen schlechter Hygienezustände. Angestellte sollen ins Essen gespuckt haben.

Diese Vorwürfe sind so nicht berechtigt. In der Vergangenheit war zwar vieles nicht so, wie es sein sollte, aber wir haben eine ganze Menge dafür getan, dieses Image zu ändern. Unsere Hygienevorschriften sind extrem streng. Allein im letzten Jahr haben wir 170 Millionen Euro in unsere Restaurants investiert. Viele positive Änderungen haben wir bereits auf den Weg gebracht, es gibt aber auch noch viel zu tun.

Übergewichtige werfen Ihnen vor, sie dick gemacht zu haben, einige haben geklagt. Ein Albtraum für jede Fast-Food-Kette.

Viele Menschen haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie Burger essen. Darauf reagieren wir. Inzwischen werden viele unserer Werbeaktionen mit einem Salatangebot kombiniert. Neben Coca-Cola kann man Wasser, Milch und Fruchtsäfte kaufen. Es gibt die Fruchttüten und meist einen Salat zum Menu. Wir bewegen uns. Aber wir sind noch nicht am Ende.

Was dürfen wir noch erwarten? Frittierte Paprika und Tofu-Burger?

Wir haben frittiertes Gemüse getestet, aber die Kunden wollten es nicht. Auch ein vegetarischer Burger ist nicht so angekommen, wie wir es erhofft hatten.

In Deutschland ist die Zahl übergewichtiger Kinder seit 2001 um ein Fünftel gestiegen. Fühlen Sie sich mitschuldig?

Nein, weil es nie allein am Essen liegt. Ich esse mindestens zweimal die Woche bei McDonald’s. Bin ich vielleicht übergewichtig? Wer sich bewegt und ausgewogen isst, kann auch Burger essen. Um die Orientierung zu erleichtern, legen wir Nährwerttabellen auf die Tabletts…

…und geben die Verantwortung damit an den Kunden zurück.

Jeder Einzelne soll entscheiden können, was er isst, wie viel Kalorien er zu sich nimmt, wie viel Salz und wie viel Zucker. Die Deutschen sind im Vergleich zu Amerikanern oder Briten weniger gefährdet. Es gibt viel weniger Dicke. Die deutschen McDonald’s-Filialen liegen bei der Besucherzahl EU-weit in der Spitzengruppe, aber der Durchschnittsumsatz pro Gast gehört EU-weit zu den niedrigsten. Das zeigt, dass die deutschen Verbraucher bewusster mit dem Thema umgehen.

Zurzeit locken Sie Kunden mit indischem Nan-Brot, ab und zu gibt es auch McBacon, der dann, wie vieles andere, wieder von der Karte gestrichen wird. Warum?

Wenn wir zu viele Produkte anbieten, gibt es Probleme mit der Qualität. Im Moment schaffen wir nur zwölf bis 15 Produkte gleichzeitig. Das wird sich mit den neuen Küchensystemen ändern, die wir gerade installieren.Wir können dann bis zu 20 Produkte anbieten. Für einen Fish- oder Chicken-Burger haben wir bis jetzt drei Minuten gebraucht, mit den neuen Küchen werden es weniger als 60 Sekunden sein. Demnächst werden wir dann zusätzlich auch Hähnchenbrust im Dreierpack und Hähnchen-Wraps verkaufen.

Sie haben im vergangenen Jahr das größte Umsatzplus seit 35 Jahren erzielt. Werden Sie weiter so kräftig wachsen?

Der Januar war wegen der Mehrwertsteuererhöhung etwas schwächer, aber seit Februar geht es wieder deutlich bergauf. Wenn es der Konjunktur gut geht, geben die Leute auch mehr Geld für Essen aus. Ich bin sehr optimistisch. Was sich auch daran zeigt, dass wir in diesem Jahr wieder 30 neue Filialen in Deutschland eröffnen werden.

McDonald’s hat in England gerade eine Kampagne gegen den Begriff „McJob“ gestartet, den das Oxford English Dictionary als reizlosen, schlecht bezahlten Arbeitsplatz mit geringen Aufstiegschancen definiert. Was stimmt daran denn nicht?

Wir haben in Deutschland mehr als 52 000 Mitarbeiter, in diesem Jahr werden rund 2000 dazukommen. Indirekt arbeiten noch einmal rund 10 000 Leute bei den Zulieferbetrieben für uns. Es ist ihnen gegenüber nicht fair zu behaupten, das seien alles McJobs.

In China sind Schnellrestaurants wie McDonald’s und KFC erwischt worden, den Mitarbeitern deutlich weniger als den gesetzlichen Mindestlohn von 73 Cent pro Stunde zu zahlen. Was verdient ein Burger-Brater in Deutschland?

Neben dem Tariflohn gewährt McDonald’s verschiedene weitere Leistungen. Am Anfang beträgt der Lohn zwischen 6,14 und 7,05 Euro pro Stunde, mit Sonntags- und Spätzulagen kann es später deutlich mehr werden. Außerdem haben die Mitarbeiter im vergangenen Jahr eine Gehaltserhöhung von vier Prozent bekommen.

Ist es richtig, dass McDonald’s Deutschland die Wahl von Betriebsräten verhindert und die Mitarbeiter sogar entlassen hat, wie in einem ZDF-Beitrag behauptet?

Ich weiß um diese Vorhaltungen, kann Ihnen aber sagen, dass ein solches Verhalten nicht akzeptabel ist und nicht der Firmenphilosophie und -politik des McDonald’s von heute entspricht. Unser Ziel ist, offen für einen Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen zu sein. Dies gilt auch im Hinblick auf Gewerkschaften.

In der großen Koalition wird zurzeit über die Einführung von Mindestlöhnen diskutiert. Was halten Sie davon?

Das ist die Entscheidung der Regierung. Aber bei uns würde das sicher Arbeitsplätze vernichten.

Das Interview führte Maren Peters.

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