Wirtschaft : Ein neuer Online-Broker geht in Deutschland an den Start

ali

Bis zum Jahresende sollen fast 20.000 Kunden gewonnen werden. Das Internet soll die Kommunikationsschiene seinali

Ralf H. Krause gibt sich realitätsbewusst: "Die Probleme mit der telefonischen Erreichbarkeit der Wettbewerber in jüngster Vergangenheit wären jedem passiert", sagt der General Manager und Unternehmenssprecher von Pulsiv.com in einem Handelsblatt-Gespräch. Pulsiv ist der neue Direkt-Broker von HSBC Trinkaus & Burkhardt (70 Prozent), dem Systemintegrator Heyde (17 Prozent) und dem Börsenmakler Lang & Schwarz (13 Prozent). Verstopfte Leitungen und frustrierte Anleger will der neue Anbieter von Anfang an vermeiden. "Wir setzten voll auf den Zugangsweg Internet. Wir wollen nur Kunden, die dieses Medium für ihre Trading-Aktivitäten nutzen", gibt Krause als Ziel vor.

Handel über das Telefon sei zwar auch bei Pulsiv möglich. Diesen Zugangsweg will Krause aber allenfalls als Notzugang verstanden wissen, den Anleger nutzen sollen, wenn es Schwierigkeiten mit dem Internet gibt. "Nach den Erfahrungen mit Infineon haben auch wir unser Call Center aufgestockt", erklärt der Sprecher. Es soll auf 40 Agents aufgestock werden, zusätzlich könnten die Mitarbeiter vom Back Office eingespannt werden. Zum Vergleich: beim Wettbewerber Comdirect nehmen 750 Vollzeitkräfte im Call Center die Orders entgegen.

Der Härtetest steht Pulsiv schon direkt bevor: Der Börsengang von T-Online sorgt in der Branche für angespannte Nerven. Krause ist dennoch optimistisch, den Ansturm zu überstehen. "Unsere Marktanalysen haben gezeigt, dass die Call Center dann überlastet sind, wenn der Zugangsweg Internet nicht richtig funktioniert. Also muss unser Web-Server funktionieren", erklärt der General Manager von Pulsiv. Das will der neue Broker dadurch sicherstellen, dass er seinen Internetauftritt bewusst schlank gestaltet. Die Plattform für Informationen für Anleger und die Trading-Plattform sind als unabhängige Systeme angelegt. "Sollte es auf dem InfoServer Schwierigkeiten geben, kann immer noch problemlos gehandelt werden", verspricht Krause.

Um das zu gewährleisten, hält Pulsiv auch das eigene Info-Angebot schlank: Statt umfangreiche Analyseinstrumente auf die eigenen Seiten zu packen, verweist die Homepage von Pulsiv auf ausgewählte Links im Internet. "Wir verstehen uns da als eine Art Spähtruppe, die für den Anleger interessante Info-Angebote im Web aufstöbert und darauf verweist", erklärt Krause die Informationsstrategie seines Hauses. Als Beispiel für ein empfehlenswertes Analyseinstrument im Web nennt er Onvista. Bei der Auswahl der Empfehlungen ist Pulsiv unabhängig und will keine Links gegen Werbegeld auf seinen Seiten platzieren. "Wir verdienen unser Geld mit den Trades." Die Basisinformationen wie Kurse und Indizes finden die Anleger direkt auf den Pulsiv-Seiten. Der Broker bietet dabei für alle Interessenten kostenlose Aktienkurse in Echtzeit in Zusammenarbeit mit Finanztreff.de an. Die Nachrichtenversorgung steuert die Verlagsgruppe Handelsblatt bei. Bei der Info-Versorgung werden Pulsiv-Kunden nur in einem Punkt privilegiert: Sie haben Zugang zu ausgewählten Studien des Mutterhauses Trinkaus & Burkhardt.

Beim außerbörslichen Aktienhandel stellt Pulsiv-Mitinhaber Lang & Schwarz die Kurse. Der Börsenmakler kooperiert hierbei auch mit der Direkt Anlage Bank. Das stört Krause nicht - im Gegenteil. "Auf diese Weise strömt mehr Liquidität in den außerbörslichen Handel, was die Kursstellung verbessert", sagt der Pulsiv-Sprecher. Er würde es sogar begrüßen, wenn noch andere OnlineBroker beim außerbörslichen Handel mit Lang & Schwarz zusammenarbeiten würden.

Bis Ende des Jahres will der neue OnlineBroker 16 000 bis 20 000 Kunden gewonnen haben. Bis Ende 2002 sollen mehr als 100 000 Kunden bei Pulsiv mit Aktien, Fonds und Optionsscheinen handeln. Mittelfristig will der Newcomer einen Marktanteil von drei bis fünf Prozent erobern. Für wie viele Online-Broker auf dem deutschen Markt noch Platz ist, dazu wollte Krause keine Angaben machen. Zurzeit sei das Kundenwachstum insgesamt weiterhin so groß, dass noch kein harter Preiswettbewerb zu erwarten sei. Aber: "Der Markt wird jetzt verteilt. Wer im nächsten Jahr bei Null anfängt, kann vielleicht schon zu spät sein."

0 Kommentare

Neuester Kommentar