Wirtschaft : Ein neuer Service hilft, den Alltag zu organisieren

FRIEDERIKE STORZ

Morgens zum Arzt, vormittags drei Meetings, in der Mittagspause ein Geschäftsessen.Manch einer kommt da in Terminstreß.Zu den geschäftlichen kommen die privaten Dates: Kindergeburtstag, Jubiläumsfeier - und um Himmels Willen Omas Geburtstag nicht vergessen!

Angela Gruber und Patrick Blachnitz gründeten den Service für Erinnerungen und Organisation "Last Recall"."Weniger Streß und dafür mehr Freizeit", ist das Motto der beiden Gründer.Bereits im Februar dieses Jahres wurde das Mini-Unternehmen als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ins Handelsregister eingetragen.

Im Sommer lockten die Gründer den ersten Kunden: Last Recall sollte das Rahmenprogramm für eine Reise nach Weimar organisieren.Für Blachnitz und Gruber war dies eine Herausforderung, denn der Reisetermin fiel direkt ins Sommerloch.Im offiziellen Veranstaltungsprogramm der Stadt herrschte "ziemlich Ebbe".Doch zum Glück gab es Goethe: Über Umwege erfuhren die Berliner, daß mit einer kleinen Veranstaltung der 249.Geburtstag des Dichters gefeiert wurde.Dorthin schickten sie die Reisegruppe, die begeistert war."Man muß eben hartnäckig sein und darf sich nicht abwimmeln lassen", faßt Gruber ihr Erfolgsgeheimnis zusammen.

Die Idee für Last Recall bekamen die Gründer über die Zeitschrift "Die Geschäftsidee".Dort wurde über eine Frau in Köln berichtet, die einen Termin-Erinnerungsservice betreibt.Dieses Angebot könnte man ausbauen, dachten sich Blachnitz und Gruber - und setzten eine ganze Reihe von zusätzlichen Diensten auf ihre Liste: Buchungen, Organisation, Besorgungen, Kartenservice, einen Fahr- und Botendienst sowie einige individuelle Leistungen - vom Stripper bis zum Party-Babysitter.Überrascht waren die Gründer, als sie hörten, daß es einen ähnlich umfassenden Service in Deutschland bisher nicht gab.Laut Industrie- und Handelskammer existiert neben dem Kölner Unternehmen nur noch ein Geschenkedienst in Paderborn.In den USA dagegen gibt es eine Menge Dienstleister, die alles Mögliche organisieren: Zum Beispiel "bestellt dort niemand mehr seine Kinokarten selbst, außer den Touristen", erzählt Blachnitz von den Erfahrungen eines USA-Aufenthalts.Sein Ziel ist, diese Idee nach Deutschland zu bringen.Auch Last Recall organisiert mittlerweile fast alles, vom Gartenfest und Kindergeburtstag bis zum Opernbesuch samt exklusivem Mietwagen.

Für die Umsetzung ihrer Geschäftsidee benötigten die Gründer nur ein kleines Büro mit Telefon, einem Handy und einen PC.Daneben braucht man "natürlich jede Menge Organisationstalent" und "das Wissen, wo man was herbekommt", betont Gruber.Für jeden Kunden wird elektronisch (und zur Sicherheit auf Papier) eine Kartei angelegt.Darin werden alle Termine gespeichert, an die der Kunde erinnert werden möchte, sowie seine sämtlichen Telefonnummern."Das muß sein, damit wir ihn an dem betreffenden Tag auch sicher erreichen", sagt Gruber.Günstig wird der Erinnerungs-Service, wenn man gleich mehrere Termine in Auftrag gibt, an die man im Laufe eines Jahres erinnert werden will.Bisher operiert Last Recall jedoch noch weit unter den marktüblichen Preisen."Wir müssen erst bekannt werden", so die Gründer.Ein einzelner Hochzeitstag kostet fünf DM.Bestellungen nimmt der Dienst demnächst auch über Internet an: http://www.GEWnet.de/last-recall (ab 1.10.).Inklusive Karte (sieben DM), Geschenk (Stundenpauschale 55 DM) und Blumen (20 DM) muß ein vergeßlicher Ehemann insgesamt 87 DM hinlegen.

Das Startkapital für den Service war entsprechend niedrig.Blachnitz und Gruber investierten rund 15 000 DM in ihr Unternehmen.Das Geld stammt vom eigenen Konto, denn in die Förderprogramme für Existenzgründer "paßten wir einfach nicht hinein", sagt Blachnitz, der eigentlich gelernter Tischler ist.

Auch die Banken glaubten nicht so recht an das Konzept von Last Recall."Die konnten mit unserem Angebot nichts anfangen." Da mag wohl auch das Alter der beiden eine Rolle gespielt haben, denn Gruber und Blachnitz sind erst 22 und 23 Jahre alt.Beide sehen ihr Alter jedoch nicht als Hindernis: "In den USA gründen 17jährige eigene Softwareunternehmen", sagt Blachnitz."Warum nicht auch hier?"

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