Wirtschaft : Ein neues Marktbarometer für die Euro-Börsen

"Dow Jones Stoxx 50" und "Dow Jones Euro Stoxx 50" gehören zur Familie neuer AktienindizesBörsianer und Anleger haben in dieser Woche neue Marktbarometer für die Entwicklung an den europäischen Börsen erhalten.In den in Frankfurt (Main) vorgestellten gemeinsamen europäischen Aktienindizes "Dow Jones Stoxx 50" und "Dow Jones Euro Stoxx 50" sind die 50 wichtigsten Aktien der voraussichtlichen Teilnehmerstaaten der Europäischen Währungsunion sowie Europas zusammengestellt.In den von der Deutschen Börse, der Pariser Börse, der Schweizer Börse und dem Verlagshaus Dow Jones komponierten Indizes finden sich insgesamt elf deutsche Aktienwerte: Allianz, Deutsche Telekom, Daimler-Benz, Deutsche Bank, Siemens, Veba, Bayer, Mannesmann, RWE, Metro und Lufthansa.Früher als geplant hatten die Kooperationsbörsen das Geheimnis um Namen und Zusammensetzung der neuen Indizes gelüftet.Berechnet werden sollen sie erstmals am 26.Februar. Gewichtigster Wert in beiden "Blue-chips-Indizes" ist der niederländische Energiekonzern Royal Dutch Petroleum.Für die Champions League der Aktien im künftigen Euroland haben sich neben den 11 deutschen insgesamt 14 französische, zehn niederländische, fünf italienische, vier spanische, drei belgische Unternehmen sowie je eines aus Irland, Portugal und Finnland qualifiziert (siehe Grafik).Die Werte seien "in Abhängigkeit von Marktkapitalisierung, Liquidität und Branchenzugehörigkeit" ausgewählt worden, teilte die Deutsche Börse mit. Analysten vermißten in einer ersten Einschätzung aus deutscher Sicht vor allem Thyssen.Dax-Schwergewichte wie Volkswagen, Hoechst oder BASF hätten aufgrund der Auswahlkriterien keine Chance gehabt, in einen der beiden Top-Indizes zu gelangen.Sie dürften jedoch in einem der insgesamt 19 Branchenindizes auftauchen.Außerdem werden noch zwei breite Marktindizes aufgelegt: der Dow Jones Europa-Index mit 666 Titeln in 16 Ländern und der Euro-Raum-Index mit 326 Notierungen.Beide Kursmesser erfassen laut Börsenangaben 80 Prozent der Marktkapitalisierung. Für Deutschlands Kleinanleger werde der Dax jedoch vorerst noch die wichtigste Orientierungsgröße darstellen.Doch der Euro Stoxx 50 werde auch für diese Gruppe zunehmend bedeutender werden, sagte Pierre Drach, Geschäftsführer des Frankfurter Analysehauses Independent Research.Großanleger dürften dagegen ihre Entscheidungen bereits vom Start weg an der neuen Euro-Indexfamilie orientieren."Wir werden Aktienfonds auflegen, in denen die neuen Euro-Indizes abgebildet werden", sagte Rudolf Chomrak, Geschäftsführer der zur Dresdner Bank gehörenden Fondsgesellschaft Deutscher Investment-Trust (DIT).Die DIT hoffe dabei auf hohes Anlegerinteresse, vor allem bei institutionellen Kunden. Mit dem Beginn der Europäischen Währungsunion (EWU) am 1.Januar 1999 wollen die Börsen der Teilnehmerstaaten die Notierungen ihrer Aktien auf Euro umstellen.Damit entfallen für Käufer und Verkäufer die Wechselkursrisiken.Für Unternehmen, die sich über die Börse Geld beschaffen wollen, bedeutet dies, daß sie sich im Wettbewerb um Finanzmittel der Investoren verstärkt auch gegen Emittenten aus anderen Ländern behaupten müssen.Sofort zu Beginn der Europäischen Währungsunion werden Geld- und Devisenmarkt auf die neue Währung umgestellt, die Börse notiert erstmals in Euro.Für die Anleger "bricht ein neues Zeitalter an", meint Alfred Roelli, Chefstratege im Privatbankgeschäft der Deutschen Bank.Autos, Banken und Chemie sind die stärksten Branchen am deutschen Aktienmarkt.In der EWU werden jedoch in erster Linie die Branchen Öl und Gas, Telekommunikation, Versicherungen, Banken sowie Technologie führend sein."Vom Euro profitieren international ausgerichtete Sektoren", heißt es in einer Deutsche Bank-Analyse.Die Orientierung nach Branchen anstelle von Ländern wird nach Ansicht der Sprecherin der Deutschen Börse, Irmgard Thießen, mit der Einführung des Euro für Anleger zur Selbstverständlichkeit werden.

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