Wirtschaft : Ein paar Minuten Spaß beim DGB

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Von Alfons Frese

Der DGB ist hip, irgendwie richtig geil. Voll krass, wie da die Prinzen über Millionäre, Schweine und Deutsche singen durften. Und in der ersten Reihe hatten die älteren Herren ein bisschen Spaß, der Bundespräsident und der DGB-Chef und natürlich die richtig wichtigen Leute: Verdi-Boss Frank Bsirske, mit 50 Jahren der Benjamin unter den deutschen Gewerkschaftsgrößen, Klaus Zwickel, IG Metall, wird in ein paar Tagen 63 und Hubertus Schmoldt, IG Bergbau, Chemie, Energie, zählt 57 Jahre. Hinter der Promi-Reihe sitzen die normalen Delegierten des DGB-Kongresses, und mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren ist das im Vergleich zu anderen Gewerkschaftstreffen eine wirklich junge Truppe. Da kann man sich schon mal die Prinzen einladen und einen kleinen Scherz der Popgruppe zwischen zwei Songs wegstecken: „Wir halten jetzt eine 40-minütige Rede“, grinst ein Prinz in den Saal. Da hält sich die Begeisterung dann doch in Grenzen, denn die Delegierten wissen genau, was sie in den nächsten Tagen erwartet.

Der DGB hat sich mit den Prinzen einen kleinen Augenblick etwas Spaßgesellschaft in den Saal geholt und will damit signalisieren, wie modern man ist. Hahaha! Die Gewerkschaften kriegen bei der Jugend kein Bein an die Erde . Zum Beispiel spiegelt die Mitgliederstruktur der IG Metall das Bild der westdeutschen Industriegesellschaft der 70er Jahre wieder. Die Jungen und die Frauen, die Hochqualifizierten und die Individualisten haben mit der Gewerkschaft nichts am Sinn. Das liegt zum einen an den jungen Ehrgeizigen, denen die Welt gehört, und die sich nicht vorstellen, einmal gewerkschaftlichen Schutz brauchen zu können. Und das liegt zum anderen an den altmodischen Tariforganisationen, die zwar lautstark an allen möglichen sozialpolitischen Debatten teilnehmen, aber sich kaum als Dienstleister für ihrer Mitglieder profilieren. Die Prinzen helfen da gar nichts.

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